Nichts als Sophistereien,

meine Damen und Herren! Nichts als Sophistereien! Gähnende Leere über dem Nullpunkt in der Ausdehnungsimplosion.

Unterstellte man Schriftstellern die Neigung zur Philosophie, setzte man Hingabe an deren Axiome voraus. Nichts liegt uns jedoch ferner! Das widerspräche auf fatale Weise unseren reinsten Willkürabsichten! Sogar das Auflösen von deren Grundsätzen erforderte einen methodischer denkenden Geist. In uns verlangt nichts nach den langsamen schattenhaften Schritten der Wissenschaften, dem Aufschlürfen von Reproduktivem zum Folgezwang. Weshalb? Weil unsere kreativen Gehirne sich im Gegenteiligen auffinden und steter Fiebrigkeit unterliegen. Die Ufer der Insel des Geistes liegen einander gegenüber, von schroffen Gebirgen getrennt. Während die Wissenschaft die Erde umgräbt, gehen wir quasi baden.

Ja, man hätte zwar gerne, dass zumindest die Schriftstellerei gesellschaftlich etwas bewirke, wenn dies der Kunst im Allgemeinen so offensichtlich nicht gelingt. Deshalb habe die Literatur – wenn schon nicht auf dröge Weise politisch (es sei denn im ethischen Widerstand gegen die Tyrannei)– wenigstens philosophisch zu sein. Darum wird permanent Klarheit eingefordert, der kurze Satz, die Offenbarungen der Einfachheit. Diese küssen in Verschwisterung abseits und heimlich die Wirklichkeit und die Wahrheit. Die Dichtkunst hatte dabei gefälligst auf der Strecke zu leiben, wurde bald zum ungeliebten Kind des Literaturbetriebes. Man mutierte zum AUTOR.

War denn Montaigne ein Philosoph? Gewiss nicht. Er erwies sich als hervorragender Essayist. War Thomas Bernhard etwa ein solcher? Nun, er folgte zwar Wittgenstein nach – alleine darauf festlegen darf man ihn aber gewiss nicht. Man wollte offenbar während der vergangenen Jahrzehnte, dass Literaten zum geistigen Klima der Gesellschaft beitragen, sich in das Miasma der Eliten einfügen. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Herrenkultur, die sich über die pragmatischer denkende Bevölkerung stülpen wollte. Diese hat zwar auch nichts Tiefergehendes anzubieten, sträubt sich jedoch ala long gegen solche Ansinnen mit inniger Beharrlichkeit.

Die Antwort für den Autor, den Literaten, Poeten, Dichter (wurde von meinem Korrekturprogramm in Papyrus durchgestrichen!) liegt in der Rückkehr zum Ursprünglichen: dem Erzählen ausgefeilter und möglichst komplexer Geschichten, die den Leser tiefer in dessen verschüttetes Ich zurückführen … Es ist der Einzelne, der die Entscheidung treffen muss, sich selbst zu reformieren, nicht die stille Vereinbarung der Netzwerker aus den Höhen ihrer Wahrnehmungshaushalte.

Wolfgang Anders

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