“Vienna Comic Con” 2025 – Bericht

Jubiläumsausgabe mit zahlreichen Premieren

Am Wochenende (21-23.11.) ging die bereits 10. Ausgabe der Vienna Comic Con (VIECC) in der Wiener Messe über die Bühne. Anlässlich dieses runden Jubiläums hat sich das Veranstaltungsteam ein spannendes Programm mit diversen Neuheiten überlegt, die im kommenden Jahr wohl nur schwer zu toppen sein werden. Denn räumlich und zeitlich stößt die VIECC, die jedes Jahr von zehntausenden begeisterten Fans besucht wird, langsam an ihre Grenzen.

Und schon wieder ist es vorbei – das verlängerte Jubiläumswochenende verging wie im Flug und hielt was es versprach: beste Unterhaltung für ein breites Publikum. Den Auftakt machte bereits am Freitagabend der Novigrad Maskenball in der Imperial Riding School, der erstmals anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der VIECC und des Games „The Witcher 3: Wild Hunt“ organisiert wurde. Für das Veranstaltungsteam war es dann eine recht kurze Nacht, denn am Samstag ging es pünktlich um 10 Uhr weiter. Dort erwartete Fans von „The Witcher 3“ gleich ein weiteres Highlight. So wurde in Kooperation mit der Österreichischen Post vom polnischen Künstler Krzysztof Domaradzki eine eigene Briefmarke entworfen, die Ornamente des Wiener Jugendstils mit der modernen Bildsprache des Fantasy-Universums kombiniert. Der Ausstellerstand der Post war dementsprechend beliebt, denn die großformatige, auf 125.100 Stück limitierte Briefmarke konnte gleich mit einem Autogramm des Künstlers und einem Ersttagsstempel versehen werden. Das lässt natürlich jedes Sammler:innenherz höher schlagen.

Die VIECC 2025 hatte jedoch noch viel mehr zu bieten. Auf rund 42.000 m2 trafen viele verschiedene Aspekte der Popkultur aufeinander, von Gaming über Literatur bis hin zu Cosplay sowie Film- und Serienstars. Die rund 40.000 Besucher:innen konnten bei mehr als 600 Aussteller:innen nicht nur einkaufen, sondern auch Games und Brettspiele ausprobieren sowie Malkurse besuchen. So war bei Großhändler:innen und in der Artist Alley so gut wie alles zu erwerben, was das Herz begehrt – von Comics über Spiele bis hin zu Türmatten, großformatigen (Kunst-)Drucken sowie Untersetzern, Pins und achtseitigen Würfeln. Während letztere Kleinigkeiten schnell gekauft und in der Handtasche verstaut werden konnten, stellten sperrige und schwer zu transportierende Gegenstände so manche Besucher:innen vor ein Dilemma: Jetzt kaufen und den Rest des Tages mitsichtragen oder warten und riskieren, dass der Artikel dann nicht mehr verfügbar ist?

An den tendenziell kleineren Ständen in der Artist Alley hielt sich diese Problematik (zum Glück) in Grenzen. Dieses Jahr boten sie eine wunderbar ausgewogene Mischung aus verschiedenen Themen und Stilen an. So waren für alle Besucher:innen zumindest ein paar interessante Stände dabei, die genau ihre oder seine Nische bedienten. Denn es gab gefühlt alles, von Steampunk- und Mittelalter-Designs über klassische Anime- und Manga-Motive bis hin zu kindlich verniedlichten Pokemon, Tieren und Gemüsesorten. Dabei werden von den Künstler:innen entweder bekannte Comics, Filme und Serien verarbeitet, neu interpretiert und in Szene gesetzt oder versuchen sie die Besucher:innen mit ihren komplett eigenständig kreativen Kunstwerken für sich zu gewinnen. An der KI-Debatte kommen (wie auch diverse Schauspieler:innen und Autor:innen bei Panel-Diskussionen) auch sie nicht vorbei. So wurde bereits bei diversen Ständen explizit darauf hingewiesen, dass die angebotenen Produkte vollständig ohne KI designt wurden.

Besonders spannend sind auch jene Trends, die sich jedes Jahr aufs Neue bei der VIECC entdecken lassen. So ist das absolute IT-Piece der Emaille-Pin. Diese Entwicklung hat sich 2024 bereits abgezeichnet und nun endgültig durchgesetzt. Er ist klein, robust, als Accessoire mannigfaltig einsetzbar und bietet viel künstlerischen Gestaltungsspielraum. Dafür haben insbesondere Magnete als Sammler:innenobjekt endgültig ausgedient. Der Renner waren wieder bzw. noch immer Studio Ghibli Motive. Besonders beliebt waren aber auch, überraschenderweise, plötzlich verschiedenste Gemüsesorten (z.B. Karotte) und Tiere (u.a. Ente, Axolotl). So wurde dieses Jahr die schwarze Katze fast vom Capybara als beliebtestes Motiv aus der Tierwelt abgelöst. Riesige Plüschtierversionen des Wasserschweins führten so wiederholt zu anstrengenden Diskussionen zwischen Eltern und deren Kindern.

Dagegen haben im künstlerischen Bereich andere Klassiker – wie z.B. Herr der Ringe, Harry Potter sowie Marvel und DC – weitgehend ausgedient. Dieser Trend spiegelt sich auch bei den kostümierten Besucher:innen wider, die mittlerweile ein fest etablierter Bestandteil der VIECC sind. So kommen bereits rund 30 Prozent aller Gäste (mehr oder weniger) kostümiert zum Event, sodass sie nicht mehr – wie früher – aus der Menge herausstechen. Ein besonderes Highlight ist dennoch weiterhin am Samstagabend der Cosplay Contest, bei dem sich dieses Jahr zwanzig Cosplayer:innen auf der Main Stage dem Publikum präsentierten und der wertschätzenden Beurteilung durch die Jury stellten. Entgegen dem allgemeinen Trend gewann ein Éowyn Cosplay („Herr der Ringe“) den Contest. Leider entfiel diesmal die Kategorien-Wertung und der Contest wurde auch zeitlich deutlich nach hinten verlegt. Für Verstimmung sorgte bei so manchen Fans auch die fehlende Saalräumung vor dem Contest, sodass die besten Plätze an jene gingen, die schon beim vorherigen Panel anwesend waren.

Dieser Trend hin zu Cosplay aus beliebten Computerspielen, Manga und Anime steht in einem starken Kontrast zu den eingeladenen Stargästen aus Realfilmen und -serien, der jedoch für das Publikum offensichtlich keine Rolle spielte. So war der größte Publikumsmagnet dieses Jahr eindeutig Elijah Wood („Herr der Ringe“), für dessen Panel sich bereits 30 Minuten vor Beginn eine gefühlt endlose Schlange vor den Hallen gebildet hatte. Bei der diesjährigen Ausgabe der VIECC konnten aber auch weitere Stars wie Craig Parker („Herr der Ringe“), Manu Bennett („Arrow“) und Kevin McNally („Fluch der Karibik“) live erlebt werden. Mit insgesamt elf Stars auf der Main Stage kam das Veranstaltungsteam damit jedoch an seine Grenzen. Auch in den Hallen selbst, in denen die verfügbaren Flächen bereits optimal ausgenutzt werden, besteht kaum mehr Spielraum für neue Bereiche. Dementsprechend dürfen Fans gespannt sein, welche kreativen Lösungen und Innovationen für die nächste VIECC gefunden werden.

Text & Bilder: © Barbara Klaus

Weitere Eindrücke:

     

     

     

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