Josefa Plank, WENN MAN BEDENKT… (Rezension v. Andreas H. Buchwald)

 

Mit ihrem neuen Werk, der bisher seitenstärksten Veröffentlichung der Edition scribere & legere, beschreitet Josefa Plank ungewöhnliche Wege. Zum einen hat sie einen Titel gewählt, der aus einem vollständigen Zitat von Mark Twain besteht, denn voll ausgeschrieben lautet er Wenn man bedenkt, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt, und der Name des Urhebers wird keineswegs verschwiegen. Zum anderen ist der romanähnliche Bericht, der dann folgt, an vielen Stellen durchaus dazu angetan, im Leser den Eindruck zu erwecken, die handelnden Personen seien einigermaßen verrückt, während er gleichzeitig zugeben muss, dass unzählige unserer Mitmenschen, auf jeden Fall die gefühlte Mehrheit, fast ebenso agieren wie beschrieben. In vielen beklemmenden Szenen, in denen man nicht weiß, ob es sich um eine Liebesgeschichte oder eine Anti-Liebesgeschichte handelt, stellt die Autorin im Grunde dar, dass der sogenannte „zivilisierte“ Mensch eigentlich gar nicht weiß, was er will, weder als Frau noch als Mann. Die Chance, es doch zu wissen, scheint bei einer Frau leicht höher zu liegen, was daran liegen mag, dass die Verfasserin der durchaus spannend und gekonnt aufgebauten Kapitel ihrem Geschlecht gern ein paar Punkte mehr geben mag, aber im Grunde muss sich die Ich-Erzählerin erst selbst ein Stück auf die Spur kommen, um herauszufinden, was mit ihr los ist. Immer wieder bezieht sie sich dabei auf Dr. Arthur Janov, den Psychologen des „Urschmerzes“, den zu durchleben unvermeidbar ist, wenn denn wirklich Heilung stattfinden soll. Und dabei mag es die besondere Qualität des Buches sein, für den psychologischen Laien ungemein leicht lesbar und verständlich daherzukommen, ja überhaupt eine für Jedermann spannende Lektüre zu bilden.

Edition scribere & legere · ISBN 978-3-949143-03-8 · 492 S.

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