Der Lechner Edi schaut ins Paradies – KUMST

Der Lechner Edi schaut ins Paradies von Jura Soyfer, aufgeführt am 30. Oktober 2021 im Kumst in Strasshof, war wieder ein erstklassiger Griff des kunstsinnigen Förderers und Gründers des KUMST,  Dr. Gerhard Kitzler, in die Schatztruhe der Theaterliteratur.

Jura Soyfer, *1912, als Kind jüdischer Eltern, die 1920 aus Russland nach Wien flüchteten, war leider nur ein kurzes Leben bestimmt. Als Jude ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert, starb er dort mit 26 Jahren.

In all seinen Texten (Zeitungsbeiträge, Kabaretttexte, drei Theaterstücke) ist er ein Anwalt der vielen Menschen, denen die schlechten Zeiten übel mitspielten. Leider werden seine Stücke selten aufgeführt, obwohl sie noch immer oder schon wieder Aktualität besitzen.

Edi, der durch die Anschaffung einer neuen Maschine, die das Vielfache an Schuhen produziert, entlassen wurde, trifft seine personifizierte alte Maschine. Sie ist ebenso unbrauchbar geworden, hat sich aber zur Zeitmaschine gewandelt. Sie führt Edi, seinen Freund Pepi und die Freundin Fritzi im Rückwärtsgang durch die Jahrhunderte. Wer hat Schuld an all dem Elend?

Sie treffen Galvani. Ist seine Erfindung der Elektrizität schuld oder Galilei mit seiner Behauptung, dass sich die Erde doch dreht oder vielleicht Kolumbus, der Amerika entdeckt hat. Wäre es besser gewesen, das alles wäre nicht geschehen?

Die Zeitreisenden dringen bis zum Paradies vor und Edi kann einen Blick hineintun. Er sieht einen Ort an dem alle arbeiten und jeder etwas zu werken hat. Er kommt zu dem Schluss, dass möglicherweise an all dem Elend der Menschheit der Mensch allein die Verantwortung hat und es vielleicht besser wäre der Mensch, der zur Zeit seines Einblicks noch nicht erschaffen ist, auch nicht erschaffen werden sollte. Doch dann kommen alle einheitlich zu dem Schluss: „Nix ist es mit der Vernichtung des Menschen“. Nachdem die Maschine sie wieder in die Gegenwart gebracht hat stellen sie fest:  „Auf uns kumts an!“

 

Die Leistung der drei jungen, sehr engagierten Schauspieler, Max Mayerhofer, David Czifer und Mara Koppitsch, war einmalig. Nicht nur, dass sie eine Stunde und zwanzig Minuten pausenlos auf der Bühne agierten, sich in die weiteren Charaktere des Theaterstückes wandeln mussten, hielten sie die Rasanz und Spannung in der Darstellung vom Anfang bis zum Ende durch. Mit wenigen Mitteln, aber großer Schauspielkunst konnten sie das Publikum, für das nicht gerade einfache Stück Jura Soyfers, begeistern.

Auch dem Regisseur, Peter Pausz gebührt Applaus.

Es war wieder einmal der Beweis, dass exzellente Schauspielkunst und gute Regie keiner Bühenaufbauten bedarf.

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