„Wunder“ – Filmkritik

Facettenreiche Literaturverfilmung

Das Kinojahr hält mit dem Film „Wunder“ (Kinostart: 26.01.) eine erste positive Überraschung bereit. Die Literaturverfilmung hat zwar so ihre Längen, besticht jedoch mit einer berührenden Geschichte und kann trotz seiner schwierigen Thematik als „Feel-Good-Movie“ beschrieben werden. In der Hauptrolle ist der herausragende Jungschauspieler Jacob Tremblay zu sehen, seine Eltern werden von Julia Roberts und Owen Wilson verkörpert.

August Pullman (Jacob Tremblay), von allen „Auggie“ genannt, hat aufgrund eines Gendefektes ein stark entstelltes Gesicht und wurde von seiner Mutter Isabel (Julia Roberts) bis zu seinem zehnten Lebensjahr zu Hause unterrichtet. Nach einigen Diskussionen sind seine Eltern jedoch davon überzeugt, dass es nun an der Zeit wäre, ihn am üblichen Schulbetrieb teilnehmen zu lassen. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat er so an der Beecher Prep nicht nur altbekannte Schwierigkeiten zu überwinden, sondern muss sich auch vollkommen neuen Herausforderungen stellen…

Am Weg zum ersten Schultag steht Auggie (mi.) die gesamte Familie bei.

Der Regisseur und Drehbuchautor Stephen Chbosky („Vielleicht lieber morgen“ (2012)) hat sich mit dem New-York-Times-Bestseller „Wonder“ (2012) von Raquel J. Palacio einer schwierigen Thematik angenommen und in einem ebenso berührenden wie herzerwärmenden Film verarbeitet. In verschiedenen Episoden, die sich jeweils auf einen gewissen Charakter zu konzentrieren scheinen, versucht Chbosky dem Publikum das soziale Umfeld von Auggie zu vermitteln. Offensichtlich wird hierbei, dass zwar die einzelnen Figuren (zum Teil) versuchen ein eigenes Leben zu führen, sich jedoch im Endeffekt alles (im positiven und negativen Sinne) um Auggie dreht. Er ist es auch, der es mit seiner liebenswerten und humorvollen Art schafft, bald Freundschaften zu schließen. Zugleich zeigt jedoch Chbosky auch auf, wie grausam Kinder sein können und vermittelt somit das Bild eines von Mobbing und Ablehnung geprägtem Schulalltags, den auch so viele andere Kinder weltweit erleben müssen. Verwiesen sei hier beispielsweise auch auf die äußerst gelungene Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (2017), die jedoch für ein deutlich älteres Publikum bestimmt ist.

In der Schule freundet sich Auggie (re.) rasch mit Jack (li.) an.

In der Hauptrolle ist mit Jacob Tremblay ein Jungschauspieler zu sehen, der bereits mehrfach komplizierte Kinderrollen, u.a. in „Room“ (2015) und „Shut In“ (2016), übernommen hat und auch diese Herausforderung herausragend meistert. Ebenso begeistert Julia Roberts in der Rolle seiner Mutter Isabel, die ihr gesamtes Leben (inkl. Studium) aufgegeben hat, um ihn zu versorgen und später auch zu unterrichten. Für die unterhaltsamen Momente ist u.a. Owen Wilson verantwortlich, der Auggies Vater Nate verkörpert. Izabela Vidovic ist als Auggies vernachlässigte ältere Schwester Via zu sehen, die ihren Bruder, obwohl er die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern benötigt, über alles liebt. Noah Jupe übernimmt die Rolle von Jack Will, Auggies erstem Freund in der Schule, der zwar gerne Zeit mit ihm verbringt, das aber gegenüber anderen Schülern nicht immer zugeben kann.

Zu Weihnachten scheinen schon so manche Probleme aus dem Weg geräumt zu sein.

Insgesamt ist Stephen Chbosky mit „Wunder“ ein berührender Film gelungen, der facettenreich diverse aktuelle gesellschaftliche Probleme anspricht und diese zugleich teilweise humorvoll verarbeitet. Dementsprechend ist ein „Feel-Good-Movie“ entstanden, welches, durch die Einbeziehung der Sichtweisen und Erlebnisse der verschiedensten Charaktere, wie z.B. Auggies Eltern und Schwester, ein jugendliches und erwachsenes Publikum zugleich anspricht. Dennoch dürfen Taschentücher ins Kino mitgenommen werden. Denn trotz „Happy End“, rührt der eine oder andere Moment im Film zu Tränen – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © 2016 STUDIOCANAL GmbH

 

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