Wir stellen vor: Mag. Robert Müller

Anton Kurz

Anton, der von Schulkameraden wegen seines kurzen Namens oft gehänselt worden war, beschloß mit 17, aus dieser seiner Not eine Tugend zu machen – sozusagen seinen Namen als Qualitätssiegel zu tragen. Er nahm sich vor, so gut wie alles kurz und bündig abzuhandeln, um keine Zeit zu vertrödeln und dafür mehr weiterzubringen.

Er bereitete sich auf alles gewissenhaft vor, führte einen peniblen Terminkalender und bemühte sich stets, Arbeiten präzise und ohne Zeitverlust zu erledigen. Er perfektionierte mit der Zeit seine effiziente Planung und brachte es zu einem guten Ruf, wenn es darum ging, eilige Termine einzuhalten und alles in der kürzest-möglichen Zeit zustande zu bringen. Diese erst schulisch und dann beruflich erfolgreiche Lebensweise färbte mit der Zeit auch auf sein Privatleben und seine Persönlichkeit ab, und es kam da und dort zu Pannen, wenn sich seine Umwelt (insbesondere die weibliche) nicht pünktlich, logisch und rationell genug verhielt. Auch seine Sprache wurde immer treffender und knapper, kaum jemand verstand es derart meisterhaft, etwas mit einem Satz auf den Punkt zu bringen, komplexe Zusammenhänge mit ein paar Worten zu erklären und nur mit einer Geste oder Mine seine Meinung zu äußern. In logischer Folge wurde er von seichten Schwätzern, Dummköpfen und leider auch vielen Damen gemieden, die nur um des Tratschens willen stundenlang warme Luft erzeugten, wie er es nannte. Seine häufigste Aufforderung an diese Leute war stets: „message, facts!“

Beim Friseur:

 Friseurin beim Eintreten Antons: „Guten Morgen, was kann ich für Sie tun?“

Anton: „Haarschneiden“

Friseurin: „Und wie wollen Sie die Haare geschnitten haben?“

Anton: „9 Millimeter“

Friseurin: „Überall?“

Anton: „Nur am Kopf!“

Menschliches:

Anton arbeitet in einem großen Bürohaus. Unlängst hat er sich zurückgezogen, um sein Morgen-Ei zu legen. Ein eiliger Kollege betritt das WC, findet die Kabine verschlossen und flucht: „Scheiße“.

Anton gemütlich von innen: „No na, jausnen werd‘ ich da!“

 

Der Pfarrball:

Anton sollte beim Pfarr–Ball die Sektbar übernehmen. „Da brauche ich aber einen Helfer“ meinte er bei der Besprechung. Der Pfarrer teilte ihm Stefan zu, einen pensionierten Schuldirektor – und alles klappte wunderbar. Im Mai erlag Stefan leider seinem zweiten Herzinfarkt.

Beim nächsten Ball stand Anton wieder hinter der Theke, diesmal mit Ferdinand, einem gut aussehenden, sportlichen Fahrdienstleiter Ende fünfzig. Die Bar florierte. Im Juni erlitt Ferdinand im Fitness-Center den Sekundentod.

Die nächste Ball-Besprechung kam, Anton heischte wieder einen Assistenten – und um den langen Konferenztisch machte sich eine beklemmende Stille breit. Jeder dachte an Stefan und Ferdinand – und keiner getraute sich etwas zu sagen. Nach einer langen Minute brach Anton das Eis – er beugte sich Richtung Pfarrer vor und flüsterte betont laut: „Herr Pfarrer, wen wollen Sie heuer loswerden?“ Erleichtertes leises Lachen. Er bekam Raimund zugeteilt, einen sechzehnjährigen HTL-Schüler – und der hält heute noch.

Humor:

Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht, und auf der höchste Stufe des Humors kann man auch über sich selbst lachen. Anton war dies nicht fremd:

Nach einem Zahnarztbesuch nachmittags wurde Anton übel. Er erreichte gerade noch das WC in seiner Firma und konnte wegen heftigem Brechdurchfall nicht mehr weg. Nach eineinhalb Stunden fand ihn der Portier auf seiner Schlußrunde – und die Rettung führte Anton ins Spital, wo ihm endlich geholfen wurde.

Am nächsten Tag war Freitag, die Untersuchungen waren erst Montag, sodass Anton gegen Revers heimging. Heim hieß natürlich ins Büro, um eine dringende Arbeit zu vollenden. Dann wollte er doch nach Hause und traf beim Aufzug seinen Direktor. Der Portier hatte natürlich Meldung gemacht, und so fragte der Chef erstaunt: “ Guten Morgen, ich habe gehört sie waren im Krankenhaus – wie geht’s Ihnen denn?“

Da kratzte Anton, der noch grün um die Nase war, sein sonnigstes Lächeln zusammen und strahlte seinen Chef an wie eine Hunderterbirne: „Wie’s mir geht, Herr Direktor? Fantastisch! Seit Jahren wollte ich drei Kilo abnehmen – und nun habe ich es unter 24 Stunden geschafft!“

Der Schiffskoch:

Antons bester Freund hatte mit seinem zwölfjährigen Sohn einen Hausboot-Urlaub im Loiretal in Frankreich gebucht und ihn gebeten mitzukommen. Gut. Es wurde ein angenehmer Urlaub, das langsame Boot ließ sich problemlos vom Sohn des „Kapitäns“ steuern, sodass Anton nur die Kombüse zu betreuen hatte. Er hielt die Besatzung mit einfacher Hausmannskost am Leben und alle waren zufrieden.

 

Drei Wochen später fuhr Anton nach einem Verwandtenbesuch von Debrecen nach Wien zurück. Gegen Mittags ging er in den Speisewagen, um eine Kleinigkeit zu essen. Der freundliche ältere Steward sprach passabel Deutsch und empfahl ein Champignon-Omelett, das mit kühlem Ottakringer Bier serviert wurde und ausgezeichnet schmeckte. Beim Bezahlen fragte der Ober, ob alles zufriedenstellend gewesen sei. „Ich bin selbst Koch“, erwiderte Anton, „und war zuletzt Chefkoch auf einem französischen Schiff. Aber ein so gutes Omelett habe ich in einem Zug noch nie gegessen!“ Der Steward dankte erfreut, und der Speisewagenkoch, welcher in der Durchreiche gehorcht hatte, verbeugte sich ehrfürchtig vor dem großen Kollegen, dem französischen Chefkoch, als dieser den Speisewagen verließ. Es fiel Anton schwer, das Lachen zu verbeißen, er hatte schließlich nicht gelogen. Er kochte zu Hause selbst, es war das erste Omelett, das er je in einem Speisewagen gegessen hatte, und daß ihm sein Freund fallweise beim Kartoffelschälen geholfen hatte, machte ihn zum „chef de cuisin“ auf dem französischen „Schiff“.

Dame

 Anton macht bei einer Party die Bemerkung: „So sind’s halt, die Weiberln“. Darauf spitz eine Frau in der Runde: „Ich muß schon bitten – ich bin kein Weib, sondern eine Dame!“ Antons Antwort: „Das ist aber schade“. Und erklärt auf den fragenden Blick der „Dame“:

„Schaun S‘, ein Weib ist weiblich, das ist was sehr Schönes, eine Frau ist fraulich, das ist auch angenehm, aber wenn Sie eine Dame sind . . . . ?“ Die Dame schaute eine Minute verständnislos, dann ging sie gekränkt schweigend ab, während die Umstehenden grinsten.

Kind und Mann

 An der Badekasse verlangte Anton nach kurzem Blick auf die Preisliste (Kinder und Senioren die Hälfte) für sich und Begleitung: „Zwei Kinder, bitte“. Die Kassierin lachte, und der daneben stehende ältere Badegast meinte abfällig: „Nau, es seids scho laung kane Kinder Mehr“. Antons Replik mit tiefer Bruststimme: „Was redens’s da, ich bin schon seit über 60 Jahr a Kind“! Der Badegast: „Ich wollt immer gleich erwachsen werd’n“. Anton lachte: „Dann zah‘ an, viel Zeit hast nimmer“! Da grinste der Widerpart: Der war guat!!!“

Katze:

Bei einem Besuch von Freunden im Weinviertel wurde Anton der Neuzugang, eine dreimonatiges Katzerl, gezeigt. Er nahm den lieben Winzling auf die Hand, und sie fauchte ihn an. „Hörst Kleine, ich bin schon 20 Jahr verheiratet, da muaßt schon anders pfauchen, daß ich mich fürcht‘ “, meinte er gutmütig. Da machte das Katzerl, nur um das letzte Wort zu haben (es war ein Weiberl) nur mehr „Miauau“ und ließ sich gerne streicheln.

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