„Willkommen im Wunder Park“ – Filmkritik

Berührender Animationsfilm mit vielen Actionszenen

In wenigen Tagen (11.04.) kommt mit „Willkommen im Wunder Park“ ein interessanter Animationsfilm in die österreichischen Kinos, der zur Abwechslung einmal nicht aus dem Hause Pixar oder Disney stammt. Die berührende Geschichte rund um die zehnjährige June und ihre Mutter soll mit vielen Actionszenen und einer zu Beginn traurigen Thematik ein junges, aber auch erwachsenes Publikum ansprechen. Als deutsche Synchronstimme ist in der Hauptrolle Lena Meyer-Landrut zu hören.

Über Jahre hinweg hat die zehnjährige June gemeinsam mit ihrer Mutter den imaginären Vergnügungspark „Wunder Park“ geschaffen. Als sie ihn später in Form eines Miniaturmodells umsetzen, welches schlussendlich das gesamte Haus erfüllt, wird offensichtlich, dass ihre Mutter sehr krank ist. Für eine medizinische Behandlung muss sie ihre Familie für einige Wochen und Monate verlassen. Die sonst so optimistische und kreative June gibt in dieser Zeit ihr gemeinsames Projekt, den „Wunder Park“, auf und zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück. Als sie jedoch durch Zufall auf einer Waldlichtung auf den realen, sehr heruntergekommenen „Wunder Park“ stößt, ist sie die Einzige, die ihn retten kann. Bei ihrer Mission stehen ihr die sprechenden Tiere, die im Freizeitpark leben, zur Seite.

June hat gemeinsam mit ihrer Mutter den „Wunder Park“ erfunden.

Auch im Genre des Animationsfilms scheinen die einfachen, leichten Zeiten vorbei zu sein. Erfolgreiche Produktionen, die zwar (noch immer) auf ein junges Publikum ausgelegt sind, müssen nun mehr tun als nur zu unterhalten. Sie müssen über einen gewissen Tiefgang verfügen, um, im übertragenen Sinne, auch die erwachsenen Zuschauer und Zuschauerinnen mit ins Boot zu holen. Das hat in den letzten Jahren beispielsweise bei „Inside Out“ (2015), „Zoomania“ (2016) und „Coco“ (2017) sehr gut funktioniert. Dieses Erfolgskonzept versuchten nun auch die Produzenten und Produzentinnen von „Willkommen im Wunder Park“ zu adaptieren – mit durchaus beachtlichem Erfolg. Zwar kann die spanisch-amerikanische Co-Produktion inhaltlich und visuell nicht ganz mit den Filmen aus dem Hause Pixar und Disney mithalten, jedoch wird mit „Willkommen im Wunder Park“ offensichtlich, dass auch die Konkurrenz nicht schläft und in weniger bekannten Unternehmen durchaus erfolgreiche Animationsfilme erschaffen werden können.

Boomer ist scheinbar nicht von Junes Ideen überzeugt.

Dabei sind gerade die ersten zwanzig bis dreißig Minuten des Films alles andere als eine leichte Kost, denn in diesen wird das Publikum mit dem allmählichen Fortschreiten der Krankheit der Mutter und einem jungen Mädchen, dass sich immer weiter von der Außenwelt abkapselt, konfrontiert. So ist auch der verfallene „Wunder Park“, den June kurz darauf auf einer Waldlichtung findet, als eine Widerspiegelung ihres seelischen Zustandes zu verstehen. Gerade dieser Freizeitpark hält eine Reihe an grandios animierten Actionszenen bereit, die das junge Publikum und die Hauptfigur June von der bisherigen traurigen Stimmung ablenkt. Denn der Park wird von einem großen schwarzen Loch bedroht, das von einer Horde bösartiger Spielzeugaffen, die den gesamten Vergnügungspark nach und nach auseinandernehmen, gefüttert wird. Sie können als Metapher für die Erkrankung der Mutter stehen, jedoch auch als Ausdruck von Junes Gefühl der Einsamkeit und Traurigkeit gedeutet werden.

Am Ende sind selbst die bösartigen Spielzeugaffen wieder freundlich.

Diese Analogien dürften jedoch gerade Kindern verborgen bleiben. Sie sollten wohl eher die zahlreichen Actionszenen und die liebenswerten animierten Tiere im Park, wie den ständig wegnickendem Bär Boomer und das bestimmende Schwein Greta, ansprechend finden. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen jedoch auch die unheimlichen bewaffneten Spielzeugaffen, die alles daran setzen June und deren neue Freunde daran zu hindern, den Freizeitpark zu retten. Natürlich gibt es, und das muss vorweggenommen werden, ein Happy End. So ist auch der Film „Willkommen im Wunder Park“ insgesamt, trotz seiner zunächst traurigen Thematik, im Gegensatz zu z.B. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (2016), ein Familienfilm, der das Potenzial hat sowohl Groß als auch Klein ins Kino zu locken.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © 2019 Paramount Pictures Austria

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