Vermarktung eigener Bücher – eine lästige Aufgabe?

Wie oft klagen Autoren darüber, dass Verlage nichts oder nur wenig tun, um ihre Bücher an die Leser zu bringen!? Wie oft zeigen sie sich unzufrieden, sobald sie merken, dass vielfach auch Buchhandlungen nicht allzu viel bewirken, was den Verkauf betrifft!? Dabei resultieren die meisten Klagen entweder auf Ignoranz der Wirklichkeiten des Literaturbetriebes oder auf purer Unkenntnis.

Wer die „Szene“ indessen schon ein wenig intensiver „berochen“ hat, dürfte längst festgestellt haben, dass sich Gegebenheiten, die vor etwa 50 Jahren noch fast unverrückbar festzustehen schienen, inzwischen rasant verändern, und das fast Tag für Tag. Ich glaube kaum, dass der Unterschied von Österreich zu Deutschland dabei sehr groß ist, denn die meisten Entwicklungen sind – mit wenigen Unterschieden – global zu beobachten.

Seit dem Siegeszug des Internets und der Mobiltelefone schrumpft die Anzahl der potenziellen und tatsächlichen Leser in rasendem Tempo. Vor allem die Stadtbevölkerungen haben sich zur Schnelllebigkeit erziehen lassen, die viele Menschen zwar auslaugen mag, sie aber dennoch in fast all ihren Lebensäußerungen prägt. Wieviel Menschen nehmen sich noch die Zeit, längere Texte zu lesen, und zwar längere Texte auf Papier? Stattdessen surft man und tanzt von einer Oberflächeninformation zur nächsten, immer mit dem Finger auf dem Smartphone. Dazu kommt – und das ist weder Kritik noch „Rassismus“, sondern eine simple, von jedem jederzeit nachprüfbare Tatsache -, dass sich immer mehr Menschen unter uns niederlassen, die aus Kulturkreisen kommen, in denen nur die Oberschicht gelegentlich Bücher liest. Und all das geschieht inmitten eines Überangebots (eines „Overkills“) medialer Informationen, die die meisten von uns ohnehin teilweise ausblenden, weil sie sie nicht mehr fassen können.

Dennoch exstieren weiterhin Bücher und Buchläden, und es gibt auch weiterhin Bestseller. Diese werden fast immer von einer bestimmten Werbewalze, die über das Fernsehen oder traditionell bedeutende Zeitungen und Zeitschriften agiert, auf die Spitzenplätze „geschossen“. Das verbliebene Leservolk ist eben größtenteils werbegläubig, und so funktioniert diese Vorgehensweise noch immer. Sie wird getragen von großen Geldgebern, die wiederum große, kapitalstrotzende Verlage haben wachsen lassen und große Buchhandelsketten. Ein Gigantennetzwerk, das für sich selbst eine für viele nur schwer erstürmbare Festung erschaffen hat. Um sie zu erobern, braucht es entweder viel Geld, oder „Connections“, oder beides. Große Buchhandelsketten haben Verträge mit großen Verlagen und lassen die kleineren „wegtreten“. Von Namenlos-Autoren werden nicht einmal Kommissionsexemplare ins Sortiment genommen. In Deutschland listet zur Zeit der Großhändler libri.de sämtliche Bücher kleinerer Verlage willkürlich aus.

Aber: Der allgemeine Leserschwund macht auch den Großen zu schaffen, sodass sie hier und da beginnen, umzudenken.

Eine besch… Situation, die aber auch voller Chancen steckt. Die ganz besonders in einer gewissen Unkonventionalität liegen, einer Flexibilität, die den Kleinen weit eher möglich ist als den Großen. An dieser Stelle setzt SCRIBERE & LEGERE an, ein Kulturinstitut, das sich vor allem als Netzwerk und Netzwerker versteht und Zusammenschlüsse verschiedener Kompetenzen schaffen will. Ein im Wachsen – im starken Wachsen – begriffenes Projekt, dabei aber weder selbst Buchhändler noch Verlag. Obwohl sein Ziel ist, immer mehr konkreten Buchhandel in das Netzwerk einzubeziehen, sind an dieser Stelle die Autoren selbst gefragt.

Nun ist das traditionelle Bild eines Schriftstellers eher das, das er einfach nur schreibt. Das Manuskript wird von einem Verlag angenommen, der es unter die Leser bringt. Dabei eignet sich dieser Verlag sämtliche Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Werkes des betreffenden Verfassers an und schließt mit diesem einen Vertrag über eine in Prozent ausgedrückte Tantiemenhöhe (meist zwischen 5 und 8% pro verkauftem Exemplar, äußerst selten mehr als 10%). Sollte das Werk ein grandioser Bestseller werden, hat der Autor ebenfalls viel davon, wenn nicht, werden ihm am Jahresende lächerliche Beträge überwiesen, die oft nicht einmal für eine durchschnittliche Auto-Tankfüllung genügen. Eine Mitspracherecht des Autors bei der Gestaltung seines entsprechenden Werkes ist zudem ausgeschlossen.

Wer also auf diesen Weg setzt, muss es schaffen, einen Großverlag zu finden, bei dem dieses Konzept noch halbwegs funktioniert. Wer über die schon genannten „Connections“ verfügt oder einen prominenten Namen, hat dabei hohe Chancen. Alle anderen eher gar keine. Und angesichts der schrumpfenden Leserschaft hat diese Tradition immer weniger Überlebenschancen, weil sie zu unflexibel ist.

Der alternative Weg besteht darin, dass der Autor zwar selbst eine gewisse Summe für den Druck seines Buches locker macht, den Mammutanteil der verkauften Exemplare aber im Gegenzug auch in die eigene Tasche fließen lassen kann. Wenn er… sich dazu bereit findet, selbst zu verkaufen! Etwas, wovor sich viele, die lieber in sich zurückgezogen zu Hause herumsitzen, fürchten. Dabei sind sie selbst diejenigen, die überhaupt die besten Kaufargumente liefern können, diejenigen, die die Begeisterung über ihr Buch interessierten und potenziellen Lesern zu vermitteln imstande sind. Der gewöhnliche Buchhändler bei Thalia etwa ist von vielen tausend Titeln umgeben, die er unmöglich alle gelesen haben kann. Wer zu ihm kommt, sucht bereits etwas Bestimmtes, und wenn das Buch eines bislang Unbekannten im Regal oder sogar Schaufenster stehen würde, übersieht man es trotzdem. Der Händler wirbt nicht speziell dafür, weil er es gar nicht kann. Nur der Autor selbst könnte wiederum am besten werben. Wenn er denn – auch wirklich von sich und seinem Werk überzeugt ist!!!

Wenn wir, die wir sonst nur schreiben, verkaufen wollen, sollten – ja müssen – wir es selbst tun. Wir wissen am besten, was wir warum so oder so geschrieben haben, wir können es am besten vermitteln. Wir finden auf diese Weise unsere ganz bestimmte Zielgruppe, diejenigen, die nicht nur ein Buch von uns kaufen wollen, sondern nach mehr fragen. In einer sich rasant verändernden Welt wird dieser Weg der einzig zukunftsversprechende sein für die Literatur- und Buchhandelsszene.

SCRIBERE & LEGERE kann das Netzwerk vergrößern, die Möglichkeiten erweitern, neue Ausgangspunkte und Chancen schaffen. Der konkrete Verkauf aber funktioniert am besten da, wo der Verfasser eines Buches mit seinen potentiellen Lesern in Kontakt kommt, ja diese Kontakte sucht. Ein in dieser Hinsicht sehr lebendiger Autor wird viele Bücher – oft durchaus leicht – verkaufen; einer, der den Verkauf anderen überlassen will, verkennt die Situation und wird wohl einigermaßen erfolglos bleiben.

Wenn ich z. B. „Boris Becker“ heiße, wissen die Leute zwar, dass ich nicht mal sprechen kann, doch mein Buch werden sie kaufen (obwohl ich es von einem Ghostwriter habe schreiben lassen müssen), ganz einfach wegen meines Namens. Wenn ich aber Wilhelmine Unbekannt bin, muss ich mir erst einen Namen schaffen, einen erobern. So funktioniert der Markt, ob es uns nun passt oder nicht. Weil wir selbst – wenn wir auf der Käufer- oder Leserseite sind – ebenso ticken.

Wir sollten die Herausforderung annehmen. Vielleicht brauchen wir zu Anfang ein wenig Hilfe, aber von einem bestimmten Punkt an macht sie richtig Spaß…

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