„The Rocky Horror Show“ – Rezension

Umjubelte Rückkehr des Kultmusicals nach Wien

Gestern war es so weit. Richard O`Brien`s ‚Rocky Horror Show‘ feierte wieder einmal Premiere im Wiener Museumsquartier. Das unter Jung und Alt beliebte etwas schräge Musical konnte dabei nicht nur wieder mit einer Starbesetzung überzeugen, sondern hielt auch die eine oder andere kleine Überraschung für das Publikum bereit.

Die Story ist wohl allseits bekannt. Das auf dem Film ‚The Rocky Horror Picture Show‘ basierende Musical erzählt die herrlich durchgeknallte Geschichte des außerirdischen und nicht ganz zurechnungsfähigen Wissenschaftlers Dr. Frank N. Furter, der weit abseits der Zivilisation seinen Forschungen nachgeht. Als es dann das frisch vermählte Pärchen Brad und Janet nach einer Autopanne vor seine Tür verschlägt, ahnen sie noch nicht, was sie dahinter erwartet. Es folgt für die beiden eine Nacht, die irgendwo zwischen Traum und Alptraum angesiedelt ist. So machen sie Bekanntschaft mit Furters Erschaffung ‚Rocky‘, einem muskelbepackten, blonden, aber nicht besonders hellen Jüngling, der vor allem seiner (sexuellen) Unterhaltung dienen soll. Schlussendlich wollen ihn aber andere Aliens wieder mit ‚nach Hause‘ nehmen….

The Rocky Horror Show          The Rocky Horror Show

                              Brad and Janet sind auf der Suche nach einer Zuflucht…                                                 …und treffen dabei auf diese seltsame Truppe. 

Die Stars der diesjährigen Europa-Tournee waren auch diesmal unschwer an den Reaktionen des Publikums zu erkennen: Wellen des Applaus und begeisterte Ausrufe wogten vor allem dem Hauptdarsteller Rob Fowler schon entgegen, noch bevor dieser überhaupt einen Ton singen konnte. Der gebürtige Engländer war schon bei den Tourneen 2008/09 und 2011/12 mit von der Partie und kann schon fast als eine ‚Institution‘ des Musicals bezeichnet werden. Mit seiner einzigartigen und zugleich liebenswerten Art und Weise der Verkörperung des verrückten Wissenschaftlers Dr. Frank N. Furter eroberte er das Publikum im Sturm und kokettierte ständig mit diesem. Als er auch noch einem Zuschauer zwischendurch ‚Gesundheit‘ wünschte, dürfte wohl selbst der letzte Kritiker dahin geschmolzen sein.

The Rocky Horror Show          The Rocky Horror Show

                 Die Gruppe rund um Dr. Frank N. Furter erscheint nicht nur auf den ersten….     …sondern auch auf den zweiten Blick schräg, exzentrisch und etwas sonderlich

Neben Rob Fowler war auch noch Stuart Matthew Price ohne Zweifel ein Liebling des Publikums. Der stimmgewaltige Musicaldarsteller ist auch kein Neuling auf dem Gebiet der ‚Rocky Horror Show‘. Bereits bei der Tournee 2008/09 war er in der Rolle des Riff Raff zu bewundern. Sein gesangliches Talent betreffend spielt er nicht nur locker den ‚Original‘ Riff Raff aus dem Film von 1975 an die Wand, sondern kann es auch durchaus mit Frank N. Furter selbst aufnehmen. Nur leider erscheinen einem die Anzahl seiner Gesangseinlagen immer zu kurz und zu wenig.

Natürlich haben auch die meisten anderen Darsteller, wie etwa Harriet Bunton (Janet), David Ribi (Brad) und Maria Franzen (Magenta) ihre Sache sehr gut gemacht und durften sich über ein begeistertes Publikum freuen. Nur der Darsteller des Rocky (Vincent Gray) schien stimmlich nicht so ganz in den Cast zu passen. Als Erzähler bestritt der Schauspieler und Kabarettist Herbert Steinböck die Premiere in Wien. Seine Auftritte wurden, dem Kult entsprechend, vor allem zu Beginn mit einigen ‚boring‘-Rufen unterbrochen. Alternierend wird die Schauspielerin, Moderatorin und Schriftstellerin Chris Lohner, die auch bei der Premiere anwesend war, in dieser Rolle zu sehen sein.

The Rocky Horror Show          The Rocky Horror Show

                          Am Ende des Premierenabends gab es jede Menge Applaus…                                       …und auch noch einmal den ‚Timpe Warp‘ zu sehen. 

Aber was wäre eine neue Tournee ohne die eine oder andere kleine Überraschung für ein alteingesessenes Publikum, das, wenn man nach der Begeisterung für die Darsteller geht, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum ersten Mal bei einer Aufführung der ‚Rocky Horror Show‘ dabei ist. So stehen in der aktuellen Inszenierung bei der Musiknummer ‚There’s a Light‘ nicht nur die beiden Darsteller Brad und Janet im Regen, sondern rieselt es auch auf die Zuseher ein wenig nass herab. Ein netter Effekt, der die Interaktion zwischen Bühnen- und Zuschauerraum ein wenig erhöht. Weniger nett sind hingegen die derzeit auch bei einigen anderen Bühnenshows angesagten Lichteffekte, die nicht nur überraschend kommen, sondern ebenfalls auch als sehr störend empfunden werden können.

Insgesamt wurde ‚The Rocky Horror Show‘ wieder begeistert vom Publikum in Wien empfangen, wobei die allgemeine Stimmung eher an ein ‚Heimkommen‘ erinnerte. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sowohl die Darsteller als auch das Publikum schon mit einander vertraut sein dürften und das Kultmusical regelmäßig im Wiener Museumsquartier gastiert.

Abschließend gibt es nur noch zu sagen: „Let`s Do The Time Warp Again!“

Text und Fotos: © Barbara Klaus

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