„The Nice Guys“ – Filmkritik

Halblustiges 1970er Jahre Buddy-Movie

In Kürze (03.06.) kommt die Detektivkomödie „The Nice Guys“ auch in die österreichischen Kinos. Als zwangsweise „Best Buddies“ schießen und prügeln sich der Privatdetektiv Holland March und Jackson Healy als Mann fürs Grobe durch die vermeintlich unterhaltsame Action-Komödie. Viele der Pointen treffen jedoch nicht so ganz ins Schwarze. Brillant sind hingegen das authentische 1970er Jahre Setting, sowie die beiden Hollywoodstars und Hauptdarsteller Ryan Gosling und Russell Crowe.

Los Angeles, 1970er Jahre: Der abgehalfterte Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) lebt mit seiner 13-jährigen Tochter Holly (Angourie Rice) in einem großen gemieteten Haus und schlägt sich die Tage mit leichten Fällen und Alkohol um die Ohren. Nachdem er zunächst von Jackson Healy (Russell Crowe), einem Mann fürs Grobe, aufgrund seiner Tätigkeit als Detektiv verprügelt wird, muss er plötzlich mit diesem für den Fall der vermissten Amelia (Margaret Qualley) zusammen arbeiten. Im Laufe ihrer Arbeit werden sie und auch Hollands Tochter immer tiefer in eine Milliarden-Dollar-Verschwörung hineingezogen, welche bis in die höchsten Kreise reicht und nur schwer zu durchschauen ist. Bald besteht nicht nur ihr Ziel darin Amelia zu finden, sondern auch diese Verschwörung aufzudecken und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Freundschaft zwischen Holland (Ryan Gosling) und Jackson (Russell Crowe) beginnt holprig.

Als Regisseur und Drehbuchautor fungierte Shane Black, der zuletzt mit „Iron Man 3“ (2013) einen großen Erfolg feierte. Mit „The Nice Guys“ versucht Black die in den 1970er und 1980er Jahren höchst beliebten Buddy-Filme wieder aufleben zu lassen, wobei er gleichzeitig so manchen ernsthaften Zug des Genres aufzubrechen sucht und den Film in eine Kriminalkomödie verwandelt. Ein gutes Konzept, das in manchen Punkten nicht vollständig aufgeht. So treffen manche Pointen nicht so ganz ins Schwarze, sondern fliegen vielmehr, wie auch so manche Kugel im Film, an seinem Ziel vorbei. Ist nur zu hoffen, dass diese dann nicht, wie im Film, den einen oder anderen unschuldigen Nachbarn killt. Auch die Brutalität, der Film ist ab 16 Jahren freigegeben, und die Freude am Verursachen von Schmerzen, laufen den komödiantischen Zügen im Film entgegen. Fraglich ist auch, wie weit eine 13-Jährige mit Gewalt und Tod konfrontiert werden sollte. Holland March ist definitiv kein guter Vater.

Holland March und Jackson Healy sollen die Tochter von Judith Kuttner (Kim Basinger) finden.

Aber das soll er auch im Film gar nicht sein, genauso wenig wie er ein guter Mensch ist. Im Gegensatz zum Titel, „The Nice Guys“, verweist der Beisatz dessen – „Nett war gestern!“ – auf das wahre Wesen der beiden Hauptfiguren. Sie trinken, schlagen, schießen und verzichten auf keinerlei Gewalt, um an ihr Ziel zu kommen. Gleichzeitig zeigen sie sich bestürzt von der heutigen Jugend – ihren Pornofilmen, ihrer vulgären Ausdrucksweise und ihrer frühen Reife. Sie sind also gewissermaßen gleichzeitig Haudegen und Moralapostel. Eine irre Kombination, die aber von den beiden Hauptdarstellern Ryan Gosling („Drive“ (2011), „The Big Short“ (2015)) und Russell Crowe („Gladiator“ (2000), „Les Misérables“ (2012)) genial verkörpert werden. So bleiben sie trotz ihrer Unempfindlichkeit gegenüber kontinuierlicher Gewaltausübung, den gesamten Film über sympathisch und fungieren als Identifikationsfiguren. Auch ihr Zusammenspiel als (Film-)Partner ist erstklassig. Ebenso umwerfend ist das authentische 1970er Jahre Setting, in welches die Handlung verlegt wurde. Der Produktionsdesigner Richard Bridgland („American Ultra“ (2015), „Fright Night“ (2011)) und die Kostümdesignerin Kym Barrett („Romeo & Julia“ (1996), „The Green Hornet“ (2011)) haben hierbei exzellente Arbeit geleistet.

Als cooles Trio (Jackson, Holland und seine Tochter Holly) kommen sie bald einer großen Verschwörung auf die Spur.

Insgesamt ist „The Nice Guys“ eine Actionkomödie, welche mit der (platten) Handlung und den nicht ins Ziel treffenden Pointen so manche Schwächen aufweist, welche aber wiederum durch andere extrem gelungene Elemente diese wieder wettmacht. So werden die Zuschauer von diesen durch das beeindruckende Produktions- und Kostümdesign, sowie die beiden sympathischen Hauptdarsteller Ryan Gosling und Russel Crowe erfolgreich abgelenkt. Für einen spannenden Filmabend ist auf jeden Fall gesorgt.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH / Daniel McFadden

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