„The Death of Stalin“ – Filmkritik

Hervorragende Darsteller und viel schwarzer Humor

In Kürze (29.03.) kommt mit „The Death of Stalin“ eine eher ungewöhnliche Comicverfilmung in die österreichischen Kinos. Die französisch-britische Satire führt dem Publikum in zahlreichen komisch anmutenden Szenen die Abstrusität der Diktatur vor Augen. So setzt der Regisseur Armando Iannucci auf viel schwarzen Humor, jedoch bleibt dem Zuschauer angesichts der realen Hintergründe der Geschichte das Lachen oftmals im Hals stecken. In den Hauptrollen sind u.a. die herausragenden Steve Buscemi und Jason Isaacs zu sehen.

Nach einem Schlaganfall liegt Josef Stalin (Adrian McLoughlin) im Sterben und seine potenziellen Nachfolger als Generalsekretär der UdSSR bringen sich in Stellung. Es wird ohne Rücksicht auf Verluste intrigiert, gelogen und betrogen – so versinkt das Regime, nach dem (endgültigen) Ableben Stalins im Chaos. Es wollen sowohl Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi), Lawrenti Beria (Simon Russell Baele) als auch Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) und Wjatscheslaw Molotow (Michale Palin) die zukünftigen Geschicke der UdSSR lenken. Und dann mischen sich auch noch die Kinder des Verstorbenen, Swetlana (Andrea Riseborough) und Wassili (Rupert Friend), ein…

Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) verändert sich optisch auf merkwürdige Art und Weise.

Der Film „The Death of Stalin” beschäftigt sich mit einer sehr dunklen Epoche des 20. Jahrhunderts und versucht diese mit sehr viel schwarzem Humor zu verarbeiten. Hierfür nahm sich der Regisseur und Drehbuchautor Armando Iannucci der französischen Graphic Novel La Mort de Staline von Fabien Nury und Theirry Robin an. Die Schreckensherrschaft Stalins wird so über weite Strecken ins Lächerliche gezogen und dennoch kann der Film in seiner Gesamtheit nicht als ‚lustig‘ im engeren Sinne beschrieben werden. So unterhalten die in ihrer Absurdität kaum zu überbietenden Szenen, jedoch bilden sie zugleich Schlaglichter auf die Grausamkeit und Brutalität des damaligen Regimes, sodass der bedrückende historische Hintergrund des Gezeigten kaum zu einem sorglosen Lachen verleiten kann. Kein Wunder, dass der Film (auch angesichts der aktuellen politischen Situation) in Russland verboten wurde.

Wassilis (Rupert Friend) Rede bei der Trauerfeier seines Vaters ist eine Katastrophe.

Als Highlight des Films können die schauspielerischen Qualitäten der Darsteller und Darstellerinnen beschrieben werden. So überzeugt Steve Buscemi („Boardwalk Empire“ (2010-2014)) als Nikita Chruschtschow, der dazu verdammt wird die Trauerfeierlichkeiten für Stalin auszurichten und zugleich versucht u.a. den Geheimdienstchef Lawrenti Beria, gespielt von Simon Russell Baele („Penny Dreadful“ (2014-2016), in Misskredit zu bringen. Dass dabei über tausend unschuldige Zivilisten ihr Leben lassen müssen, wird als reiner Kollateralschaden angesehen. Dahingegen unterhält Jeffrey Tambor („Transparent“ (2014-)) als rückgradloser früherer Vize von Stalin, der plötzlich dessen Aufgaben übernehmen muss und sich in Folge dessen auch optisch verändert. Ein Umstand, der bei den anderen Charakteren für so manchen Lacher sorgt. Neben Buscemi brilliert vor allem Jason Isaacs als Georgi Schukow, bekannt für seine Rolle des Lucius Malfoy in den „Harry Potter“-Filmen. Mit seinen unzensierten Äußerungen, geschmückt mit vielen (kreativen) Kraftausdrücken, gibt er einen hervorragenden Oberbefehlshaber der Armee ab, dem leider zu wenig Zeit im Film eingeräumt wird.

Schließlich greift der Oberbefehlshaber der Armee (Jason Isaacs) hart durch.

Insgesamt ist „The Death of Stalin” eine interessante mediale Neuaufbereitung der letzten Stunden Stalins und die aus seinem Tod resultierenden Machtkämpfe. Wer sich eine lockere und leichte Komödie erwartet, wird von diesem Film wohl eher enttäuscht sein. Denn trotz einer ausgeprägten Situationskomik, lädt der Film aufgrund der wahren Begebenheiten, auf denen der Film (lose) basiert, nur bedingt zum Lachen ein. Unterhalten wird man bei „The Death of Stalin“ trotzdem – dank hervorragender Schauspieler und Schauspielerinnen und einer mit witzigen Dialogen gespickten Handlung.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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