„Tagträumer“ – Konzertbericht

Wir träumen einfach am Tag…

Gestern feierte die österreichische Band „Tagträumer“ in Wien den Abschluss ihrer aktuellen Tour. Das Publikum in der Ottakringer Brauerei, eine neue „In“-Location im gleichnamigen Bezirk, die so manchen Nachteil hat, bekam hierbei einen gut gemixten Querschnitt ihrer bisherigen musikalischen Ergüsse zu hören. Die höchst sympathische Gruppe rund um Leadsänger Thomas Schneider wird, an deren Erfolg gemessen, aktuell zu Recht als einer der besten Musikexporte Österreichs gehandelt.

Mit den Worten „wir sind ‚Daydreamer‘ aus England“ hat der Frontmann der Band „Tagträumer“, Thomas Schneider, nicht nur das Konzert eröffnet, sondern auch gleich den Grundton des gesamten Konzerts vorgegeben. Denn die Performance sollte vor allem eines: unterhalten. Da darf man auch sich selbst und die eigenen Liedtexte nicht allzu ernst nehmen. Auf diesen höchst sympathischen Einstieg folgte die eine oder andere lustige Geschichte, wobei auch die Themen Alter und Bartwuchs nicht ausgelassen wurden. Die Ansage von Leadsänger Thomas Schneider, der fast die gesamte Kommunikation mit dem Publikum übernahm, dass er doch besser Lieder schreiben als reden kann, kam dann doch etwas überraschend. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass er nach diesem langen Abend, angesichts des ständig zunehmenden künstlichen Nebels und realen Rauchschwaden, am nächsten Tag noch gut bei Stimme sein wird.

Mehr als 1 ½ Stunden lang präsentierte die Gruppe aus der Steiermark einen interessanten Querschnitt ihrer bisherigen Alben „Alles ok?“ (2015) und „Unendlich Eins“ (2017). So bekam das begeisterte Publikum u.a. ihre Hits „Tagträumen“ (2015) und „Pfeile“ (2017), sowie nicht so bekannte Nummern wie z.B. „Nichts“ (2015), „Metronom“ (2016) und „Straßenlaternen“ (2017) zu hören. Natürlich durfte auch mit „Mein Herz (für immer)“ (2014) eines ihrer ersten erfolgreichen Lieder nicht fehlen. Nicht einmal technische Probleme, deren Opfer der Gitarrist Kevin Lehr nach wenigen Minuten wurde, konnten den Auftritt trüben. Er stieg einfach von der E-Gitarre auf ein „klassisches“ Modell um. Die wesentlichen musikalischen Highlights steckten „Tagträumer“ in ihre vergleichsweise lange Zugabe. Sie umfasste u.a. ihre Songs „Sinn“ (2014), „Unendlich gleich“ (2017) und „Brücken zum Mond“ (2015).

Nach einer Social Media-Umfrage entschied sich die Band auch dazu nicht nur ein Cover in ihre Zugabe aufzunehmen. Sie verwandelte die letzten zwanzig Minuten ihres Auftritts in ein großes Medley englischsprachiger Cover und deutschsprachigen Eigenproduktionen. So wurden, natürlich (großteils) zu ihrer allgemeinen inhaltlichen Ausrichtung passend, eigene Versionen der Chartstürmer „Payphone“ (Maroon 5) „Galway Girl“ (Ed Sheeran), „Fireflies“ (Owl City) und „Lot to Learn“ (Luke Christopher) präsentiert. Über die Tatsache, dass die Cover, obwohl in englischer Sprache vorgetragen, noch immer deutsch klangen, kann angesichts dieses sonst so hervorragenden Konzerts hinweggesehen werden. Schließlich war auch das Publikum alles andere als perfekt. Als um Stille für einen kurzen Videodreh gebeten wurde, schafften es (wie nicht anders zu erwarten) bei weitem nicht alle diese einzuhalten. Jedoch dürfte vor allem jene scheinbar schon stark alkoholisierte Gruppe, die genau zu diesem Zeitpunkt ein „Happy Birthday“-Ständchen anstimmte, den Zorn der Anderen auf sich gezogen haben.

Insgesamt war das Konzert der sehr sympathischen Gruppe „Tagträumer“ in der Ottakringer Brauerei ein würdiger Abschluss ihrer aktuellen Tour. Erfreulich wäre es nur, wenn das Publikum die gute Musik noch ohne gesundheitsschädliche Dämpfe genießen könnte. Denn der Rauch aus dem Nebenraum zog mit anhaltender Beständigkeit in die mehrere hundert Leute fassende Halle. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass sich das Konzerterlebnis mit kommenden Mai deutlich verbessert oder die Ottakringer Brauerei, wie schon zuvor das Gasometer Wien, endlich das Rauchen in allen Innenräumen verbietet. Denn die vielversprechende österreichische Band „Tagträumer“ wird mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren noch den einen oder anderen Auftritt in Wien absolvieren.

Text und Bilder: © Barbara Klaus

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