„Swiss Army Man“ – Filmkritik

„Cast Away“ meets „Warm Bodies“

In Kürze (14.10.) startet der Film „Swiss Army Man” auch in den österreichischen Kinos. Die umstrittene Tragikomödie rund um die Freundschaft zwischen einer furzenden Leiche und einem im Nirgendwo gestrandeten Mann richtet sich an ein reifes Publikum, das die Messages hinter den diversen Körpergeräuschen zu deuten vermag. In den Hauptrollen brillieren die Nachwuchsstars Paul Dano und Daniel Radcliffe.

Gerade in jenem Moment als sich der an einem scheinbar einsamen Ort gestrandete Hank (Paul Dano) umbringen will, wird am Strand ein Körper angespült. Der junge Mann, den Hank schließlich auf den Namen Manny (Daniel Radcliffe) tauft, ist bereits verstorben. Jedoch lässt sich der tote Körper, ähnlich einem Schweizer Messer (daher der Titel des Films) überaus vielseitig einsetzen. So verwendet er ihn u.a. als Wasserspender, Kompass und Motorboot (dank eines Antriebes bestehend aus Fürzen). Als jedoch die Leiche langsam zu sprechen beginnt, kommen sich die beiden auch auf einer emotionalen Ebene näher…

Hank (Paul Dano) und Manny (Daniel Radcliffe) suchen ihren Weg nach Hause…

Nach einem ersten Trailer und der Premiere beim Sundance-Festival machte der Film das erste Mal nachhaltig auf sich aufmerksam. Die Zuschauer flohen schon nach den ersten Minuten angewidert aus dem Kinosaal und verbreiteten schnell über diverse Netzwerke die Info, dass „Harry Potter“ Daniel Radcliffe im Film nur furzen würde. Dabei haben sie nicht nur die interessantesten Teile des Films, sondern auch gleichzeitig die tiefergehenden Messages der Regisseure Daniel Kwan und Daniel Scheinert an das Publikum verpasst.

…spielen dabei Alltags-Situationen nach…

Zugegebenermaßen erscheint der Film – oberflächlich betrachtet – wie eine extreme Anhäufung von Furz- und Sexwitzen, die vor allem ein pubertäres Publikum unterhalten soll. Tatsächlich fungiert diese jedoch nur als eine Art Verkleidung, hinter die man blicken muss, um die tatsächlichen Themen, die im Film verhandelt werden, zu entdecken. Zu diesen zählen u.a. Liebe, Freundschaft, Heimat, gesellschaftliche Konventionen, sowie die Phantasie als Zufluchtsort für zutiefst einsame Menschen. Im Film bleibt auch über weite Strecken die Frage offen, welche gezeigten Geschehnisse tatsächlich passiert sind und welche nur auf der Fantasie von Hank basieren.

…feiern ihre eigenen Partys mittem im Wald…

Die exzellenten schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller Paul Dano („Love & Mercy“ (2014), „Little Miss Sunshine“ (2006)) und Daniel Radcliffe („Harry Potter“-Reihe (2001-2011), „Die Frau in Schwarz“ (2012)) tragen nicht unwesentlich dazu bei, dass der Film aus mehr als nur diversen Körpergeräuschen besteht. Ohne die geringste Furcht davor mit diesem Film ihr Image zu zerstören, mimen sie einen einsamen Gestrandeten mit psychischen Problemen und eine Leiche, die spricht, pupst und noch vieles mehr. „Swiss Army Man“ dürfte zu einem Meilenstein in beider Karrieren werden. Mit diesem sollte v.a. das bisherige Image von Daniel Radcliffe als Harry Potter Geschichte sein.

…und treffen schlussendlich wieder auf andere Menschen.

Insgesamt ist „Swiss Army Man“, wenn man über die diversen Flatulenzen hinwegsehen kann, eine etwas skurrile und grenzwertige, aber zugleich auch warmherzige und interessante Tragikomödie, die einen Kinobesuch lohnt. Das Regisseur-Duo landet mit dem Film eher keinen Mainstream-Hit, jedoch könnte sich „Swiss Army Man“ – auch aufgrund der hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Paul Dano und Daniel Radcliffe – zu einem Anwärter auf diverse Preise in der kommenden Award-Saison entwickeln.

Fotos: © Thimfilm

Text: Barbara Klaus

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