„Rock in Vienna“ – Festivalbericht

Neues Festival setzt auf Altbekanntes

Nun ist das erste „Rock in Vienna“ Geschichte. Drei Tage lang (04.-06.06.2015) wurde auf der Donauinsel getanzt, getrunken, geheadbangt oder, kurz gesagt, gerockt. Bei ungetrübtem Sonnenschein und Temperaturen an der 30 Grad Marke gaben sich vor allem ab den späten Nachmittagsstunden die Stars der Rockszene die Klinke in die Hand. Mit Metallica, Faith No More, Incubus, Muse und Kiss war für jeden Geschmack etwas dabei. Ebenso auffällig wie das fortgeschrittene Alter der Künstler war auch, wie bei vielen Rock Festivals üblich, die geringe Frauenquote auf der Bühne.

Die Premiere des „Rock in Vienna“ Festivals kann mit vielen begeisterten Fans und rund 75.000 Besuchern als durchaus gelungen bilanziert werden. Nach einem bisher mehr schlecht als rechtem Mai- und Juni-Wetter, hatten die Veranstalter das Glück mit dem Festival gewissermaßen auch den Sommer mit strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen einläuten zu dürfen. Aber gerade in den Nachmittagsstunden trieb gerade dieses heiße Wetter die Zuschauer eher in Richtung kühles Nass als in die in brütender Sonne gelegenen Concert- und Fun-Areas. Erst in den frühen Abendstunden begannen sich an allen Tagen die Bereiche vor den Bühnen intensiv zu füllen.

Rock in Vienna

Metallica-Frontmann James Hetfield

Am Donnerstag, dem ersten Tag des Festivals, waren es vor allem die Bands Faith No More und Metallica, die das Publikum in Massen zu den Stages drängen ließen. Mehr als „Zwischenprogramm“ denn als Hauptact spielte die deutsche Band Broilers auf der kleineren der beiden Bühnen. Nur das durchaus gut durchdachte Konzept von zwei neben einander gelegenen Bühnen und damit im Sinne des Publikums verbundenen kurzen Gehwegen und geringen Musikunterbrechungen wollte vor dem Hauptact an diesem Tag nicht so recht gelingen. So betraten die Bandmitglieder rund um Leadsänger James Hetfield erst mit einer halbstündigen Verspätung die Bühne. Der Unmut des Publikums darüber schlug davor nur einigen Dutzend Metallica-Fans entgegen, die pünktlich auf der Stage standen, um mit ihren Idolen dann 1 ¾ Stunden lang hautnah abrocken zu dürfen. Der Auftritt der US-amerikanischen Band selbst war dann wie erwartet: Metal-Pur. Nur auf ihren größten Hit, „Nothing Else Matters“, wartete man vergeblich.

Rock in Vienna

Muse-Sänger Matthew Bellamy

Musikalisch deutlich sanfter lief dann der zweite Festivaltag ab. Mit Within Temptation, The Hives, Incubus und Muse sank auch deutlich die Anzahl an schwarz gekleideten Rockern und stieg prozentuell der Frauenanteil im Publikum. Mit Sharon Janny den Adel, Sängerin der Band Within Temptation, sicherte sich auch zwischenzeitlich einmal eine Frau die Aufmerksamkeit des Publikums. Die weiblichen Zuschauer waren an diesem Tag aber dann besonders am Leadsänger von Muse, Matthew Bellamy, interessiert. Er versuchte mit seiner Gruppe auch an diesem Abend ihren Ruf als beste Live-Band der Welt zu verteidigen. Mit Luftschlangen und riesigen aufblasbaren Bällen ging das Konzert vergleichsweise ohne großen Pomp über die Bühne. Viel interessanter dahingegen waren die unterschwellig kritischen Bilder, die auf den Projektionsflächen links und rechts der Bühne zu sehen waren. So liefen nicht nur von der Arbeit zermürbte animierte Männchen über diese, sondern flimmerte auch das Bild des US-amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden über die Leinwand. Obwohl sie auch am selben Tag eine neue CD („Drones“) veröffentlichten, hielten sie sich bei ihrem Programm größtenteils an ihre bekannten Hymnen, wie etwa „Supermassive Black Hole“, „Time Is Running Out“ und „Undisclosed Desires“. Das Publikum dankte es ihnen mit begeistertem Applaus und enthusiastisch laut mitgesungenen Textpassagen.

Rock in Vienna

Kiss-Bandmitglied Paul Stanley

Das Festival schlossen dann am letzten und (zumindest von den Temperaturen her) heißesten Tag u.a. die Bands Airbourne, Opeth, Sabaton, Limp Bizkit und Kiss. Als der Paradiesvogel des Festivals kann die Band „Babymetal“ beschrieben werden. Das Girl-Metal-Trio aus Japan mit roten Tüll-Röckchen und durchchoreographierter Performance legte für ein Rock-Festival einen etwas gewöhnungsbedürftigen Auftritt hin. Das Festival schloss die Alt-Hard Rock Band Kiss mit einer von Special Effects dominierten Show. Das insgesamt vom musikalischen Programm her wenig innovative aber durchaus gut durchdachte „Rock in Vienna“ Festival kann alles in allem positiv bewertet werden und nächstes Jahr wohl mit vielen begeisterten wiederkehrenden Fans rechnen. Einziger Wermutstropfen: Das exzessive Rauchen, welches durch die Menge gehende Zigaretten-Verkäufer noch angefacht wurde, sodass bei manchen Shows mehr Rauch vom Publikum als von der Effektshow auf der Bühne aufstieg.

Text: Barbara Klaus

Alle Fotos: © Florian Matzhold/Rock in Vienna

Weitere Eindrücke vom Festival:

Within Temptation The Hives Sabaton Metallica

Metallica Festivalgelände Festivalgelände Limp Bizkit

Kiss Incubus Faith No More Babymetal

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