Reisebericht von Johanna

Als ich aufwache, weiß ich einen Moment lang nicht, wo ich bin. Vorsichtig klettere ich aus dem Bett, um meinen Freund nicht zu wecken und öffne die Tür. Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten eine kleine Terrasse und eine sanfte Brise weht mir den salzigen Meeresgeruch entgegen. In der Ferne kreischen Möwen und das gleichmäßige Rauschen der Wellen lässt erahnen, wie nahe der Strand ist. Hier in Vinisce haben wir das Paradies gefunden.

Unsere Reise beginnt um zwei Uhr morgens in Österreich, nahe Wien. Nach 12 ½ (!) Stunden Fahrt erreicht unsere Reisegruppe, die aus sieben 20-Jährigen besteht, den Strand Ljubljeva, der in einer Bucht nahe Vinisce, Kroatien, liegt. Unsere Villa Sea Fantasy liegt direkt am Meer, das zwar von einer Felsküste umgeben ist, dafür glasklares Wasser besitzt. In unserem Garten wachsen Olivenbäume neben Rosmarin- und Lavendelsträuchern und die Straßen hierher sind gesäumt von Feigen- und Granatapfelbäumen.

Aber Achtung, liebe Leser, seid gewarnt: um zu diesem Himmel auf Erden zu kommen, mussten wir zuerst eine Fahrt durch die Hölle überstehen. Die Straßen sind einspurig und von Steinmauern begrenzt, was zwar ganz hübsch aussieht, wofür aber selbst der größte Romantiker keinen Blick mehr hat, wenn einem plötzlich, hinter einer Kurve versteckt, ein anderes Auto entgegen kommt. Dass die Straßen bis zu 22 Grad Steigung (was wir an einem Tag tatsächlich nachgemessen haben) aufweisen können, macht den Spaß nicht unbedingt größer. Nachdem wir zu viert um das Leben unseres VW Busses gekämpft haben, konnten wir schließlich unser Haus in einem Stück erreichen. Es befindet sich, gemeinsam mit rund 20 anderen Häusern, in der Bucht Ljubljeva. Die anderen Hänge bewohnen Sträucher und niedrige Bäume, in den Seegrasfeldern im Meer tummeln sich kleine Fischgruppen – kurz, man kann die Natur rund um einen in vollen Zügen genießen.

Aber auch das Sightseeing kommt nicht zu kurz. Mit dem Auto benötigt man rund eine halbe Stunde zu der Hafenstadt Trogir. (Kleine Bemerkung am Rande: so schön wie unser Domizil auch sein mag, man braucht selbst zum nächsten Supermarkt 20 min mit dem Auto, d.h. „schnell mal für eine Packung Milch zum Supermarkt“ gibt es nicht.) Trogir befindet sich auf einer Insel, die durch Brücken mit dem Festland verbunden ist. Es ist eine Altstadt, wie es im Buche steht: schmale, mit Kopfsteinpflaster befestigte Gassen, Häuser, die sich aneinander kuscheln, mit entzückenden grünen Fensterläden und wirklich an jeder Ecke wird frischer Fisch angeboten. Trotz möglicher anfänglichen Euphorie und Ungeduld (die uns auch beherrscht) empfehle ich, den Hafen bis zum Stadttor entlang zu gehen, um von dort aus tiefer in die Stadt vorzudringen.

Natürlich haben auch die Restaurants am Hafen oder auf der „Hauptgasse“ dorthin gute Gerichte, doch sind diese um einiges teurer und die Atmosphäre ist nicht so heimelig. Also geht man am besten durch das Haupttor die engen Gassen entlang, bis man zum Palaca Cippico kommt, auf dem eine hübsche Kirche thront, und sich eine Cocktailbar befindet, bei der es ab und an Live Musik gibt. Wer Lust auf eine ausgezeichnete Pizza, Gegrilltes und natürlich Fisch hat, sollte noch ein wenig weitergehen. Sobald man den Platz verlassen hat, findet man auf der linken Seite ein Postamt (für alle fleißigen Briefe-Schreiber unter euch) und auf der rechten führt eine Seitengasse zu einem leckeren Restaurant, das etwas verborgener und damit auch weniger laut und gedrängt ist, als der Rest der Stadt.

Hier noch ein Tipp, der vermutlich logisch ist: auch wenn Trogir von Restaurants, über Cocktailbars zu Clubs wirklich alles zu bieten hat, was ein Nachtvogel-Herz begehrt, ist die Stadt selbst, tagsüber um einiges mehr zu genießen. Während andere Touristen um diese Zeit auf den Stränden vor sich pruzeln, kann man die Stadt in vollen Zügen genießen. Den Hafen entlang führt die Stadtmauer zur Kastel Kamerlengo, einer Seeburg, die 1420 durch den venezianischen Bürgermeister Marin Radojev erbaut wurde. Bis 19:00 kann man diese besichtigen, wobei abends regelmäßige Theaterstücke oder Konzerte darin stattfinden. Ebenfalls gut erhalten, aber weniger spektakulär ist der Stadtturm Kula sv Marka, der ursprünglich die westliche und nördliche Stadtmauer verbunden hat. Diese ist nun nur noch bruchstückhaft erhalten und beherbergt die eine oder andere Cocktailbar. In diesen kann man als „Kulturmuffel“ natürlich auch seine Zeit verbringen, nur sind die Cocktails sehr stark und dafür weniger erfrischend. Aber egal wie man seinen Abend (oder Tag) in Trogir verbringt, zum Abschluss muss man sich mindestens eine Kugel cremiges Eis kaufen – mein persönlicher Favorit: Nutella!

Am nächsten Tag begibt sich unsere Reisegruppe Richtung Norden, an Sibenik vorbei, zum Nationalpark Krka, mit seinen zahlreichen Wasserfällen. Statt einer Wanderung durch die Wildnis, à la „Indiana Jones“, erwarten uns mehrere Reisebusse, die bis obenhin mit Touristen vollgestopft werden, um dann in das Herz des Nationalparks verfrachtet zu werden. Trotz den Massen an Menschen (Anfang August ist auch nichts anderes zu erwarten) ist der Nationalpark wunderschön und als wir einen Holzsteg durch den Wald folgen, komme ich mir auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit und Temperatur ein wenig wie im Regenwaldhaus in Schönbrunn vor.

Den Höhepunkt der Wanderung stellen die Wasserfälle Skradinski buk dar, zu denen man sogar hinschwimmen darf. Auch wenn es hier ebenfalls von Menschen wimmelt, bringt mich die Natur rundherum dennoch zum Staunen. Während die Felder und Straßenränder um diese Jahreszeit ausgetrocknet und farblos sind, sprüht es hier vor Leben. Alle paar Meter fließen schmale Bäche und ergießen sich kleine Wasserfälle. Fische schwimmen unter dem Steg hindurch, über den man marschiert und wirklich überall wachsen Feigenbäume (wobei deren Früchte zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht reif sind). Nach gut zwei Stunden Marsch verlassen wir den Nationalpark, wobei der noch um einiges mehr zu bieten hätte, doch wir sehnen uns zurück nach der Abgeschiedenheit unserer Bucht.

Obwohl die Lage unseres Häuschens mehrere Tagesausflüge anbieten würde (Split, Sibenik, Marina…), ist es doch diese ruhige und entspannte Atmosphäre, die uns die meiste Freude bereitet. Wir fahren mit einem Motorboot zu kleinen Inseln, nicht weit von uns entfernt, durchwandern die Wälder, die uns umgeben, oder schnorcheln in der Bucht.
Ich weiß nicht, wie viele Menschen diesen Artikel lesen, doch falls du dich, lieber Leser, tatsächlich dazu entschließen solltest, diesen Ort ebenfalls aufzusuchen, tu mir einen Gefallen und behalte das Geheimnis rund um den Strand Ljubljeva für dich. Damit dieses kleine Stückchen Paradies noch möglichst lange so bleibt wie es jetzt ist: abgeschottet vom Rest der Welt und auf seine eigene Art und Weise wunderschön.

Exklusivbericht von Johanna Friedrich

 

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