„Nur ein kleiner Gefallen“ – Filmkritik

Spannender Psychothriller in guter Besetzung

In wenigen Tagen (09.11.) kommt mit „Nur ein kleiner Gefallen“ (engl. „A Simple Favor“) ein durchaus sehenswerter Psychothriller in die österreichischen Kinos. Denn die spannungsgeladenen, ironischen Dialoge zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren versprechen knapp zwei Stunden exzellente Unterhaltung mit einer guten Prise schwarzem Humor. Diese werden von den bekannten Hollywoodschauspielerinnen Blake Lively und Anna Kendrick verkörpert. In weiteren Rollen sind u.a. Andrew Rannells, Rupert Friend und Henry Golding zu sehen.

Als die etwas unscheinbare, alleinerziehende Vorstadtmama und mäßig erfolgreiche Bloggerin Stephanie (Anna Kendrick) auf Emily (Blake Lively), die im Modebusiness in der Großstadt tätig und mit einem bekannten britischen Autor verheiratet ist, trifft und ein Spieltreffen für ihre Söhne vereinbart, verändert sich ihr Leben für immer. Als Emily sie wenige Wochen später darum bittet ihren Sohn von der Schule abzuholen, denkt sich diese nicht viel dabei. Jedoch holt sie ihren Sohn am selben Abend nicht mehr ab und ist auch telefonisch nicht mehr erreichbar. Emily bleibt auch in den kommenden Tagen verschwunden und Stephanie macht sich immer größere Sorgen, bis schließlich eine Leiche, die Emily`s Tattoo trägt, aus einem See geborgen wird. Daraufhin wird Stephanie in ein Netz aus Geheimnissen, Lügen und Intrigen hineingezogen, das sie auf eigene Faust zu entwirren versucht.

Stephanie (Anna Kendrick) dreht regelmäßig Videos und postet sie online.

Mit „Nur ein kleiner Gefallen“ hat der Regisseur Paul Feig, welcher vor allem für die Klamauk-Blockbuster „Brautalarm“ (2011) „Taffe Mädels“ (2013) und „Ghostbusters“ (2016) bekannt ist, den Sprung in ein völlig neues Genre gewagt. Ein Unterfangen, das weitestgehend gelungen ist, denn die filmische Umsetzung des gleichnamigen Romans (2017) von Darcey Bell besticht durch eine spannende Handlung, ironische Dialoge und interessante Charaktere. Nur das etwas unspektakuläre und vergleichsweise eher durchschnittliche Ende trübt den insgesamt sehr positiven Eindruck. Aber auch die intensivere Thematisierung des Umgangs mit sozialen Netzwerken hätte dem Film eine tiefere Bedeutung verleihen können, jedoch wird dieser Punkt nur oberflächlich behandelt. Dabei wäre ein gutes Ausgangsmaterial durchaus vorhanden. So stehen sich mit Stephanie und Emily zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten gegenüber, die sich auch im Umgang mit der Sichtbarkeit im Netz bzw. andere Medien kaum mehr voneinander unterscheiden könnten. Während Stephanie online regelmäßig Videos mit Back- und Bastelanleitungen postet und versucht immer mehr Follower zu gewinnen, lehnt es Emily sogar ab fotografiert zu werden.

Mit Emily (Blake Lively) beginnt sie regelmäßig Martinis zu trinken.

Diese beiden Charaktere, und die von ihnen geführten Unterhaltungen, sind es auch, die den Film so sehenswert machen. Anna Kendrick, welche Stephanie verkörpert, schlüpft nach der „Pitch Perfect“-Reihe (2012-2017) wieder in die Rolle eines zunächst unscheinbaren Charakters, der schlussendlich sein Potential erkennt und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein entwickelt. Auch Blake Lively, die im Film als Emily zu sehen ist, dürfte der von ihr verkörperte Typus nicht allzu unbekannt sein. Schließlich stellte sie bereits in der Serie „Gossip Girl“ (2007-2012) fünf Jahre lang das „It-Girl“ Serena van der Woodsen, die mit ihrem guten Aussehen und ihrem Charisma (fast) alle für sich einnehmen kann, dar. Neben ihnen verblassten im Grunde alle anderen (männlichen) Figuren und werden beinahe zu reinen Statisten degradiert. Dass die meisten von ihnen auch für die Handlung und die Promoter des Films keine große Rolle spielen, wird auch am offiziellen Filmplakat deutlich, auf dem nur Anna Kendrick und Blake Lively abgebildet sind.

Dennis Nylon (Rupert Friend, 2 v.l.) scheint nach Emilys Verschwinden kaum besorgt.

Insgesamt ist „Nur ein kleiner Gefallen“ ein weitgehend gelungener Psychothriller, der, abgesehen vom etwas enttäuschenden Ende, mit einer spannenden Handlung und durch die von Anna Kendrick und Blake Lively geführten bissigen und ironischen Dialoge überzeugt. Die knapp zweistündige Literaturverfilmung vergeht angesichts mehrerer unerwarteter Wendungen und in einem hohen Tempo getakteter Ereignisse wie im Flug. Ein Kinoerlebnis für alle die dem Genre des Thriller zugetan sind und Fans von Ironie und schwarzem Humor sind, jedoch auf Mord und Totschlag im Film gerne verzichten können.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © LIONSGATE / Peter Iovino, SMPSP

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