Musical „Tanz der Vampire“ – Rezension

Es darf wieder gebissen werden!

Im September 2017 war es soweit: Das Kultmusical „Tanz der Vampire“ ist 20 Jahre nach seiner Uraufführung in die österreichische Hauptstadt zurückgekehrt. Die Geschichte rund um Graf von Krolock, der die wunderschöne Wirtshaustochter Sarah zum Ball einlädt und von Professor Abronsius und Alfred, dessen Assistenten, zu retten versucht wird, hat sowohl national als auch international große Erfolge gefeiert. Aktuell begeistert das Musical mit bekannten Bühnenelementen, eingängigen Musiknummern und einem (fast) vollständig neuen Cast das Publikum in Wien.

Das Werk „Tanz der Vampire“ hat sich die Bezeichnung „Kultmusical“ zu recht verdient. Nach einer höchst erfolgreichen Uraufführung im Raimund Theater im Jahr 1997, hat sich das im Original deutschsprachige Musical zu einem internationalen Hit entwickelt. So haben in den letzten zwanzig Jahren über 8,5 Millionen Menschen „Tanz der Vampire“ in den verschiedensten Sprachen und an den unterschiedlichsten Orten gesehen. Neben Deutschland, eroberte das Musical u.a. mit Estland, Polen, Frankreich und Russland den europäischen Raum. Seit 2006 ist „Tanz der Vampire“, das in insgesamt 11 Sprachen übersetzt wurde, auch in Japan zu sehen. Nach Wien kehrten die Vampire, nach der ersten Derniére im Jänner 2000, bereits im Herbst 2009 zurück. Nach einer zweijährigen Spielzeit hieß es jedoch erneut Abschied nehmen – bis jetzt.

Aktuell (Dezember 2017) ist Mark Seibert als Graf von Krolock zu sehen.

Seit September 2017 laden die Vampire im Wiener Ronacher wieder zum Tanz. An der Inszenierung selbst wurden, im Vergleich zu jener von 2009, die jedoch in Hinblick auf die Uraufführung von 1997 einige Modernisierungen erfuhr, kaum Veränderungen vorgenommen. Ein Umstand, der so manchen Fan des Kultmusicals freuen wird, denn bereits an der letzten Inszenierung (2009) war kaum etwas auszusetzen. Mit ihrem beeindruckenden Bühnenbild und umwerfenden Kostümen, fing sie auf hervorragende Art und Weise die Grundstimmung des Musicals ein. So werden erneut im Wirtshaus die Knoblauchketten geschwungen, auf den Gräbern getanzt und zuletzt im Ballsaal nicht nur das Tanzbein geschwungen, sondern auch herzhaft zugebissen.

Alfred (Raphael Gross) und Professor Abronsius (Sebastian Brandmeier) sind auf der Suche nach Vampiren.

Die größte Veränderung stellt dagegen die Besetzung dar. Denn sowohl Lukas Perman (Alfred) als auch Marjan Shaki (Sarah) sind nicht mehr mit von der Partie. Ihre Parts werden in der aktuellen Produktion von Raphael Gross und Diana Schnierer übernommen, die ihren Vorgängern hinsichtlich musikalischem Können und Harmonie auf der Bühne um nichts nachstehen. Auch in den weiteren Rollen wurden mit Nicolas Tenerani (Chagal), Dawn Bullock (Rebecca) und Marle Martens (Magda) höchst begabte Darsteller und Darstellerinnen engagiert. Für die größten Lacher sorgen dagegen Sebastian Brandmeier als Professor Abronsius und Florian Resetarits als Koukol, dem buckeligen Diener des Grafen.

Unterwegs verliebt sich Alfred (Raphael Gross) in Sarah (Diana Schnierer).

Die Hauptrolle des Grafen von Krolock übernehmen diesmal alternierend Drew Sarich, Mark Seibert und Thomas Borchert. Während Borchert, der bereits 2009 als Graf in Wien zu sehen war und auch in den folgenden Jahren diesen zu seiner Paraderolle machte, und Sarich den Charakter ebenfalls in der letzten Wiener Produktion verkörperte, ist Seibert vor allem dem deutschen Publikum als Graf bekannt. Die Figur des Grafen, der als überlegener Verführer, den eine tiefe Leere quält, zu charakterisieren ist, scheint, wie viele Besucher zahlreicher „Tanz der Vampire“ Produktionen im In- und Ausland wissen, Thomas Borchert wie auf den Leib geschneidert zu sein. Er wird ab Anfang Jänner für ca. 6 Wochen im Ronacher als Graf von Krolock zu sehen sein. Drew Sarich, der mit seiner recht prägnanten Stimme dem Grafen auf deutlich andere Art und Weise Leben einhaucht, wird ab Mai wieder als Krolock auf der Bühne stehen. Aktuell, und wieder ab Mitte Februar, verkörpert Mark Seibert die Hauptrolle im Musical. Als ein sehr bemühter Graf, hat er jedoch mit der zuvor angesprochenen verführerischen Überlegenheit so seine Probleme.

Sarah (Diana Schnierer) lässt sich jedoch von Graf von Krolock (Drew Sarich, ab Mai 2018) betören.

Insgesamt kann die aktuelle „Tanz der Vampire“ Produktion zum 20-jährigen Jubiläum als höchst gelungen beschrieben werden. Es wird bezüglich der Inszenierung (Bühnenbild, Kostüme u.a.) auf bereits erprobte Elemente gesetzt. Der größtenteils neue Cast besticht einerseits mit guten schauspielerischen Fähigkeiten und andererseits hervorragenden Gesangsstimmen. Durch die Verpflichtung von drei Darstellern, Sarich, Seibert und Borchert, die bereits alle in der Rolle des Grafen zu sehen waren, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und so gilt zurzeit in Wien: Es darf wieder gebissen werden!

 

Text: Barbara Klaus

Bilder (©): C / VBW Deen van Meer

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