Musical „Rocky Horror Show“ – Rezension

Let`s do the time warp again!

Seit einigen Tagen ist es wieder so weit: Richard O`Brien`s „Rocky Horror Show“ verbreitet bereits zum vierten Mal eine gruselig-schräge Stimmung zur Adventszeit in Wien. Das Kultmusical, das auf dieser Europatournee ohne Rob Fowler (Frank N. Furter) auskommen muss, überzeugt erneut Jung und Alt mit seiner unkonventionellen Geschichte, unterhaltsamen Momenten und eingängigen Musiknummern. In der Rolle des Erzählers sind diesmal Sky du Mont und Herbert Steinböck zu sehen.

Die Handlung des Musicals ist nicht nur allgemein bekannt, sondern auch schnell erzählt. Im Zentrum der herrlich durchgeknallten Geschichte steht der außerirdische Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter vom Planet „Transsexual“, der in einem Haus abseits jeglicher Zivilisation seinen Forschungen nachgeht. Als das frischverlobte Paar Brad und Janet nach einer Autopanne vor dessen Tür landet, ahnen sie noch nicht, was sie dahinter erwartet. Es folgt eine zwischen Traum und Alptraum angesiedelte Nacht, die ihr Leben für immer verändern wird. So machen sie Bekanntschaft mit den „Dienern“ von Frank N. Furter, Riff Raff und Magenta, und der neuesten Kreation des verrückten Wissenschaftlers: „Rocky“. Schlussendlich soll Frank N. Furter aber wieder zu seinem Heimatplaneten zurückkehren…

Frank N. Furter (Gary Tushaw, mi.) umgeben von seinen „Dienern“ und Groupies.

Bereits zum vierten Mal, nach 2008, 2011 und 2014, legt die Europatournee des allseits beliebten Musicals „Rocky Horror Show“ einen Stop im Wiener Museumsquartier ein. Das wohl interaktivste Musical der Gegenwart begeistert nicht nur mit seinen zahlreichen eingängigen Musiknummern, sondern insbesonders mit seinem ständigen Versuch, das Publikum in das Geschehen mit einzubeziehen. So werden vom Publikum nicht nur Spielkarten und Konfetti in die Luft geworfen, sondern auch Ratschen betätigt. Als bei der Nummer „There`s a Light“ schließlich zu den Wasserspritzpistolen gegriffen wurde, wurde es dem Herrn am Lichtpult wohl zu viel. Kurzerhand entschloss er sich sein Arbeitsgerät mit einer Plastikfolie vor dem spritzwütigen Publikum zu schützen.

Als Erzähler fungiert u.a. Sky du Mont.

Auch der Erzähler des Abends, Sky du Mont, blieb von den traditionell gewordenen „boring“-Rufen aus dem Zuschauerraum nicht verschont. Als wohl gelassenster Erzähler der letzten Jahre, hatte er kaum ein Problem mit den Zwischenrufen aus dem Publikum. Als er jedoch einmal tatsächlich den Faden verlor, fasste er mit seiner darauffolgenden Aussage „Ich bin ein Mann, ich kann nicht zuhören und denken!“ den Unterschied zwischen den Geschlechtern kurz und knackig zusammen und erntete dafür tosenden Applaus. Auf der Bühne überzeugten vor allem die Darsteller der Charaktere Columbia (Holly Atterton), Brad (Christopher Parkinson, Zweitbes.) und Riff Raff (Stuart Matthew Price). Letzterer, der bereits seit 2008 mit von der Partie ist, ist nicht nur der aktuelle Liebling des Publikums, sondern löste auch Rob Fowler, der auf den bisherigen Tourneen als Frank N. Furter zu sehen war, als zentrale Konstante im Musical ab. Mit Gary Tushaw wurde ein durchaus talentierter Schauspieler verpflichtet, der aber bezüglich Mimik und Gestik seinem Vorgänger leider (noch) nicht das Wasser reichen kann.

Der altgediente Schauspieler Stuart Matthew Price (Riff Raff, mi.) mit Felix Mosse (Brad) und Sohie Isaacs (Janet).

Insgesamt ist die „Rocky Horror Show“, die noch bis 16.12. im Wiener Museumsquartier gastiert, ein immer wieder sehenswertes Musical, dessen Erfolg in der einzigartigen Story und der interaktiven Verbindung zwischen den Darstellern und den Zusehern begründet liegt. Auch wenn diesmal mit Rob Fowler eine „Institution“ des Musicals fehlt, sind mit Matthew Stuart Price und Holly Atterton zwei Künstler zwei auf der Bühne zu sehen, die den Geist der „Rocky Horror Show“ mit Herz und Seele verkörpern.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Jens Hauer

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