Musical „Mamma Mia!“ – Bericht

Drei Väter, viel Humor und jede Menge Abba-Hits

Gestern (17.01.) ging die Premiere von „Mamma Mia!“ in der Wiener Stadthalle über die Bühne. Das schräg-schrille Stück überzeugt mit viel Humor und guten Darstellern. Die deutschen Übersetzungen der Abba-Klassiker sind zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, wirken aber dennoch (mit der Zeit) sehr gut auf einer schlicht eingerichteten Bühne. Nur die Akustik, ein schon seit Jahren in der Halle F leidiges Thema, hätte wesentlich besser sein können.

Kaum jemanden ist die Geschichte von Mamma Mia, spätestens aber seit dem gleichnamigen Film (2008), nicht bekannt. Auf einer abgelegenen griechischen Insel hat die 20-jährige Sophie vor ihren Traumprinz, Sky, zu heiraten. Ihre Mutter will ihr jedoch nicht verraten, wer ihr Vater ist. Kurzerhand nimmt erstere die Sache selbst in die Hand und lädt jene drei Männer, die laut Donnas Tagebuch ihre Väter sein könnten, zu ihrer Hochzeit ein. Sam, Bill und Harry haben jedoch keine Ahnung, warum sie auf die Insel kommen sollten. Als sie auf Donna und ihre zwei besten Freundinnen, Rosie und Tanja, treffen, nehmen die (chaotischen) Ereignisse ihren Lauf…

Sophie sucht im Tagebuch ihrer Mutter nach potenziellen Vätern…

Seit Juli 2018 ist „Mamma Mia!“ auf großer Tour durch Deutschland, Österreich und der Schweiz. Pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum des Musicalwelterfolges (Erstaufführung: 1999) ging gestern Abend (17.01.) die Wienpremiere über die Bühne. Wie viele andere Musicals auch, wurde ebenfalls „Mamma Mia!“, das bereits in 16 verschiedenen Sprachen aufgeführt wurde, für das deutschsprachige Publikum übersetzt. So braucht man doch die ersten zwei oder drei Nummern, um sich an diese sprachliche Veränderung zu gewöhnen. Jedoch wurde der Refrain wiederholt teilweise im Original belassen, wie z.B. „Dancing Queen“ und „Money, Money, Money“, wodurch der Bruch der Übersetzung abgedämpft und die Wiedererkennbarkeit der Lieder gefördert wurde. Nur der sonst sehr berührende Song „I have a Dream“ klang in deutscher Sprache stark nach Schlager.

…und die kommen dann auch prompt zur Hochzeit.

Das schlicht eingerichtete Bühnenbild, welches im Grunde nur aus zwei Wänden mit Türen bestand, die sich verschieben ließen, wurde mithilfe diverser Requisiten für jede Szene passend gemacht. Positiverweise ließ dieses den Hauptdarstellern und dem Ensemble viel Raum für diverse interessante Choreographien. Stimmlich überzeugten besonders Sabine Mayer als Donna und Karim Khawatmi in der Rolle des Sam. Für die humoristischen Einlagen sorgten hingegen vor allem Betty Vermeulen und Barbara Raunegger, die die besten Freundinnen von Donna, Tanja und Rosie, verkörperten. Der gelungenen Inszenierung versetzte nur leider die leicht überforderte Soundanlage und die schlechte Akustik in der Halle F einen Dämpfer. Sie kann, wie allgemein bekannt, mit den klassischen Aufführungsstätten (u.a. Ronacher und Raimund Theater) einfach nicht mithalten.

Wird am Ende geheiratet?

Insgesamt unterhält die zum 20-jährigen Jubiläum stattfindende Tour von „Mamma Mia!“ bestens, auch wenn sie nicht in allen Details perfekt ist. Dennoch bedachte der Großteil des Publikums bei der Zugabe (u.a. „Waterloo“) die Aufführung mit Standing Ovations. Nur ein schwer verliebtes Pärchen bekam davon gar nichts mit. Dieses zog es vor 2 ½ Stunden zu kuscheln und zu küssen. Dass so ein Verhalten in einem Theater so manch schrägen Blick auf sich zog, muss wohl kaum erwähnt werden. Den insgesamt 22 mitreißenden Abba-Hits konnte aber auch dieses (unangemessene) Verhalten letztendlich keinen Abbruch tun.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Brinkhoff/Mögenburg, MammaMia Produktionsgesellschaft mbH, Stage Entertainment, Littlestar

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