Martha Marcy May Marlene

Auf den Spuren von Charlie Manson und seinen Kollegen

Neben einer großen Menge Blockbuster, die zur Zeit die Leinwände Wiens bevölkern, war es mir letztes Wochenende möglich, einen kleinen Schatz im Programm des Gartenbaukinos zu entdecken.

Martha Marcy May Marlene – bereits 2011 auf der Viennale gezeigt, ist eine Mischung aus psychologischem Horrortrip und schmerzlicher Tragödie, die den Ausstieg eines jungen Mädchens aus einer Kommune erzählt. Martha flüchtet zu ihrer Schwester nach Connecticut, um dort ein neues Leben zu beginnen, doch hat der, über zwei Jahre andauernde Einfluss des Kultes seine Spuren hinterlassen. Martha muss resozialisiert werden, doch ständige Flashbacks von traumatischen Erlebnissen lassen sie innerlich zugrunde gehen.

Ein brillantes Wechselspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und Paranoia lässt die Abgrenzungen vor den Augen des Zuschauers verschwimmen und die beiden Handlungsstränge werden eins.

Mit Martha Marcy May Marlene als Regiedebüt ist Sean Durkin der Sprung in ein noch eher selten behandeltes Thema gelungen, das auf jeden Fall die Aufmerksamkeit aller Filmfans garantiert.

Auf die Frage, ob der Film eine Hommage an den berühmten Kommunen-Anführer Charles Manson sei, erklärt Durkin, dass er sich an vielen berühmten Kulten orientiert habe, unter anderem auch an der Manson-Family, jedoch wollte er sich mit seinem Werk nicht auf eine konkrete Gegebenheit stützen, sondern ein umfassendes Bild erstellen, das der Realität möglichst nahe kommt.

Von Vergewaltigungen unter Drogen gesetzter Mädchen und Gemeinschaftsmorden unter dem Vorwand einer besseren Welt wissen wir seit Charles Manson dem Begriff der Kommune ein Gesicht gegeben hat. Die Geschichte von Martha Marcy May Marlene allerdings zeigt dem Zuschauer ein Erlebnis, das ihm unter die Haut geht.

Julia Wenger

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