„Lena“ – Konzertbericht

Mainstream-Pop mit Message

Gestern (28.06.19) legte Lena (Meyer-Landrut) im Rahmen ihrer aktuellen „Only Love“ – Tour einen Stopp im WUK ein. Sie gab dabei nicht nur alte und neue Songs zum Besten, sondern präsentierte sich selbst als einen sehr sympathischen Menschen, der auch mal gerne über sich selbst lacht. Obwohl ihre Musik oftmals aufgrund des offensichtlich auf Mainstream und Kommerz ausgelegten Stils bekrittelt wird, ist die damit transportierte Message alles andere als unwichtig – gerade für das sehr junge, mehrheitlich weibliche Publikum.

Die Sängerin Lena ist (leider) ein gutes Beispiel dafür, wie sehr unsere heutige Gesellschaft noch immer in geschlechterspezifischen Rollen denkt. So sah sie sich in den letzten Jahren immer wieder mit den Vorwürfen konfrontiert zickig zu sein, unter Magersucht zu leiden und ihre Social Media Präsenz wird sowieso laufend in Hinblick auf ihre Bekleidung und ihr Gewicht von bestimmten Zeitungen eingehend analysiert. Dabei handelt es sich um Maßstäbe, an welchen Männer nur äußerst selten gemessen werden. Das ständige hereinprasseln von gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Vorstellungen und Erwartungen an die eigene Person besingt sie auch in ihrem Song „Note to Myself“, in welchem sie sich selbst daran erinnert, trotz allem sie selbst zu bleiben und sich nicht verbiegen zu lassen.

Eine sehr schöne Message, die sich auch ihre jungen Fans zu Herzen nehmen sollten. Denn aufgrund ihrer Tätigkeit als Coach bei „The Voice Kids“ ist Lena zu einem Vorbild und Idol für sehr viele junge Mädchen geworden, die es sich auch nicht nehmen ließen bei ihrem Konzert in großer Zahl zu erscheinen. Zu einer Herausforderung wurde jedoch gerade für diese die große Hitze im WUK, das bis auf die letzte Karte ausverkauft war. Mit Sicherheit hätte die Musikerin auch eine größere Halle füllen können, jedoch wurde auch von ihr selbst der intime Rahmen des Events positiv hervorgehoben. Sie entschied sich sogar dazu einen kurzen Abstecher in die Menge zu machen, um mit ihren anwesenden Fans zu singen.

Aber auch ihr Musikstil wird seit einigen Jahren höchst kontrovers diskutiert. Während die einen ihre Lieder und die damit transportieren Messages lieben, werden ihre Songs von anderen als hohler Mainstream-Pop eher abschätzig belächelt. Egal, welche Meinung man diesbezüglich vertritt, müssen wohl dennoch die meisten zugeben, dass ihre Musik ins Ohr geht. Erinnert sei dabei nur u.a. an ihren ersten Erfolg „Satellite“ (2010), mit welchem sie den Songcontest gewann, ihre Hits „Stardust“ (2012) und „Wild & Free“ (2015) oder auch ihre aktuellen Nummern „Don`t Lie to Me“ (2019) und „Thank You“ (2018). In deutlich ruhigeren Songs, wie z.B. „If I Wasn`t Your Daughter“ (2017), thematisiert sie u.a. das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater, der die Familie verließ als sie noch ein Kind war.

So war das Konzert selbst insgesamt alles andere als eine fade Angelegenheit. Statt einfach nur ihre Songs einen nach dem anderen zu präsentieren, interagierte sie mit dem Publikum und gab sich als eine sehr zugängliche Person, die gerne mal über sich selbst und ihren deutschen Akzent lacht. Auch mit ihrem zwanzigköpfigen Team, das u.a. aus zwei Backgroundtänzerinnen, zwei -sängerinnen, einem Gitarristen und einem Drummer besteht, dürfte sie sich bestens verstehen. So packte sie auch selbst mit an, als die kleinen, bereits bei den ersten Nummern verschossenen, Konfetti hartnäckig am Bühnenboden kleben blieben. Sie mussten jedoch schließlich weichen, denn gerade bei den Tanznummern hätte es sonst den einen oder anderen Ausrutscher geben können. Aufgrund des strahlenden Lächelns auf so manchen Gesichtern am Ende des Abends ist auch anzunehmen, dass die Fans mit der Live Performance alles andere als unzufrieden waren. Ob es wieder Jahre dauern wird, bis Lena erneut in Wien auftritt, bleibt abzuwarten.

Text & Bilder: © Barbara Klaus

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