Konzert „Folkshilfe“ – Bericht

„Mir laungts, dass i woas, dass i kunnt waun i mechat…“

Langsam neigt sich die „Frühjahrstour 2019“ der Folkshilfe dem Ende zu. Gestern (04.04.) fand der bereits vorletzte Termin im WUK (Wien) statt. Die sympathische Band zeigte dabei u.a. mit zahlreichen Nummern ihres aktuellen Albums „BAHÖ“ auf, wie vielseitig so eine „Quetschn“ eingesetzt werden kann und die (schon öfters für tot erklärte) junge österreichische Musikszene alles andere als in der endgültigen Versenkung verschwunden ist. Das überwiegend weibliche Publikum ging bei den zumeist positiven und mitreißenden Songs begeistert mit; zwischenzeitlich wurde es aber auch kurz politisch und dementsprechend ernst.

Pizzera und Jaus, Seiler und Speer, Mathea, Bilderbuch und viele mehr – sie alle gehören, wenn auch in verschiedenen Sub-Genres angesiedelt, einer neuen Welle an jungen Musikern und Musikerinnen an, die den deutschsprachigen österreichischen Pop wieder Radio-tauglich machen. Von dieser Liste ist auch die Band Folkshilfe seit einigen Jahren nicht wegzudenken. Mit ihren Songs „Seit a poa Tog“ (2015) und „Mir laungts“ (2017) – dessen Titel übrigens von einem Bayern inspiriert wurde – eroberten sie in den letzten Jahren die Charts und aktuell wird ihre Nummer „Nirwana“ auf Ö3 rauf und runter gespielt. Dabei war der Beginn alles andere als einfach, denn in der ersten Zeit tourten sie als Straßenmusiker durch Europa. Dementsprechend dankbar sind sie auch, dass jetzt die Leute ein wenig Geld in die Hand nehmen, um sie spielen zu sehen und sie dadurch Konzerthallen in ganz Österreich, mittlerweile aber auch Italien und Deutschland, füllen können. So fielen auch die Dankensworte für alle an den Konzerten Beteiligten – vom Manager bis Lichttechniker – sehr überschwänglich aus. Daran könnten sich so manche bekannteren Musiker und Musikerinnen ein Vorbild nehmen, die dieser sehr netten Geste schon länger abgeschworen haben.

Das Konzert selbst war vom zumeist fröhlichen „Quetschn-Synthi-Pop“, wie sie ihren Musikstil selbst beschreiben, geprägt, der nicht nur die „Quetschn“ wieder in Mode bringen soll, sondern auch zum Tanzen und abfeiern einlädt. Dazu zählen etwa „Huscha“, „Maria Dolores“ und „Summa Sun“. Dass ihre Songs nicht nur unterhalten, sondern auch kritisch sein sollen, verdeutlicht u.a. ihr Lied „So bitte ned“, welches als Seitenhieb auf die aktuelle Regierungspolitik zu verstehen ist. Es ist auch – bei diesem Konzert – der einzige ernstere Song, jedoch wird die Situation mit der Aussage, dass man das Leben dennoch genießen muss, aufgelockert. Dem dürfte wohl auch das überwiegend junge weibliche Publikum zustimmen, das, ganz dem gegenwärtigen Zeitgeist entsprechend, dabei trotzdem kaum die Finger vom Handy lassen konnte. Wenigstens wurden kaum Nachrichten geschrieben, sondern fotografiert und gefilmt und wohl im Anschluss auf diverse soziale Plattformen hochgeladen. Aber ohne diese kommt nicht nur das Publikum, sondern vor allem auch die Künstler und Künstlerinnen selbst nicht mehr aus. Denn ohne Social Media Präsenz existiert man, vor allem für eine jüngere Generation, im Endeffekt nicht mehr. Dementsprechend aktiv ist auch die Band Folkshilfe auf Instagram, Facebook und Co.

Aber die Gegenwart hat nicht nur schlechte Seiten, wie auch Folkshilfe betont, denn wir können uns, ihrer Meinung nach, glücklich schätzen in einer Gesellschaft zu leben, in der wir frei wählen können – und zwar nicht nur in Bezug auf die Politik. Auch in der Liebe haben wir, auch wenn das ihrer Ansicht nach (leider) auch noch 2019 betont werden muss, die große Qual der Wahl. Um über die Liebe Sprach- und vor allem Dialektübergreifend singen zu können, haben sie den Ausdruck „EAP“ erfunden. So gab es zum Abschluss des Konzerts als Zugabe noch den Song „Karl und Resi“, ihr schönstes Liebeslieb zu hören, das eben dieses ominöse „EAP“ im Chorus enthält und von der anwesenden Menge lautstark mitgesungen wurde. Zum Besten gaben sie dabei auch noch eines ihrer tollen „Quetschn-Gitarre-Duelle“, von denen es, ihrer Meinung nach, nicht genug geben kann. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen -außer, dass die sympathische Gruppe bereits im Sommer wieder auf die österreichischen Bühnen zurückkehren und u.a. beim Novarock auftreten wird.

Text und Fotos: © Barbara Klaus

 

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