„Joe Cocker“ Konzertbericht

Woodstockveteran rockt die Hütte!

Vergangenen Montag (20.05.) gastierte Joe Cocker mit seiner aktuellen „Fire It Up Tour“ in der Wiener Stadthalle. Zusammen mit einer Band und einer relativ schlichten Bühnenshow schaffte Joe Cocker etwas, dass anderen Künstlern selbst mit Stunteinlagen und Mainstream Nummern nicht gelingt – ein Publikum so zu begeistern, dass es mitten im Lied in Jubelchöre ausbricht.

Dabei verlief der Abend zunächst relativ unspektakulär. In der Pause zwischen Support und Mainact stellte sich eine relativ gemütliche Stimmung ein. Ganz im Gegensatz zu anderen Künstlern, bei welchen das Publikum schon in der Wartezeit in Jubelstürme ausbricht, obwohl weit und breit kein Musiker zu entdecken ist. Aber die sollten noch kommen. Um dem Publikum die Lücke zu verkürzen, wurden einige Zuschauer auf den Leinwänden links und rechts der Bühne gezeigt. Das eine oder andere Pärchen verwechselte dies wohl mit der in Amerika bei Basketballspielen gängigen „Kiss-Camera“. Das restliche Publikum reagierte darauf mit Klatschen, „Uh“-Rufen oder auch nur einem herzhaften Lachen. Dennoch wirkte das Publikum insgesamt verhalten. Vielleicht wartete es jedoch auch nur angespannt auf das Erscheinen des britischen Sängers.

Kurz nach 20:30 erlosch das Licht im Raum und Lichtkegel begannen über das Publikum hinweg zu gleiten. Schließlich fiel der Vorhang der Bühne herab und gab den Blick auf Joe Cocker und die Band frei. Zu Beginn gab Joe Cocker neue und somit eher unbekanntere Nummern zum Besten. Die Bühnendekoration erwies sich als vergleichsweise schlicht. An der Rückwand der Bühne war nur eine Leinwand angebracht, auf welche Muster in den verschiedensten Farben projiziert wurden. Auf der Bühne selbst dienten nur eine gute Hand voll alter Scheinwerfer als Dekoration, welche gelegentlich an und aus gingen. Viel Licht spendeten diese aber nicht. Insgesamt hatte während der ersten vier oder fünf Nummern der Auftritt „Konzerthauscharakter“, da der gesamte Stehplatzbereich Stühlen weichen musste.

Jedoch als die Band das erste bekanntere Lied, „Up Where We Belong“, anstimmte, verfiel das Publikum in Begeisterungsstürme, noch bevor Joe Cocker einen Ton singen konnte. So ging es den restlichen Abend weiter. Die Zuschauer standen auf, klatschten, tanzten und trampelten mit den Füßen auf den Boden als Zeichen der Begeisterung. So machten sie in einer recht gut gefüllten, aber bei weitem nicht ausverkauften, Stadthalle mehr Stimmung als so manches Publikum bei einem bis zum letzten Platz besetzten Auftritt eines Superstars in selbiger Location.

Schon nach gut 1 ¼ Stunden begannen Zuschauer aus den hinteren Reihen nach vorne in den schmalen Bereich zwischen Bühne und der ersten Sitzreihe zu stürmen. Sie verwandelten schlussendlich das Parkett doch noch zum Stehplatzbereich und feierten Joe Cocker wie einen Rock-Gott. Schließlich spielte dieser auch noch alle seine Hits, von „You Can Leave Your Hat On“ bis zu „Unchain My Heart“ war alles dabei. Kurz vor Schluss erhörte er auch endlich die schon während der gesamten Show immer wieder aus dem Publikum gerufenen Geburtstagsglückwünsche und bedankte sich für diese bei den anwesenden Zuschauern. Joe Cocker feierte an diesem Tag immerhin bereits seinen 69ten Geburtstag.

Als ein potenziell fulminantes Finale diente eine gut zehnminütige Version seines ersten Charthits „With a Little Help from My Friends“. Jedoch kam Joe Cocker mit seiner Band natürlich noch für eine Zugabe auf die Bühne und performte „Cry Me a River“, eine Nummer aus den 1970ern.

Insgesamt war es ein unglaublich mitreißendes und beeindruckendes Konzert, was wohl auch daran lag, dass Joe Cocker an diesem Abend stimmlich und körperlich in besonders guter Verfassung war. Kaum zu glauben, dass dies die Abschiedstour sein soll, daher den Gerüchten zum Trotz : „Komm‘ wieder, und bring die Halle zum Beben!“

Barbara Klaus

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