„Ihre beste Stunde“ – Filmkritik

Grandioses historisches Liebesdrama mit viel Wortwitz

In wenigen Tagen kommt mit „Ihre beste Stunde“ (07.07.) einer der besten Filme des Jahres und ein Geheimtipp des heurigen Kinosommers in die österreichischen Lichtspielhäuser. Der Film (OT: „Their Finest“) brilliert mit einer ungezwungenen Mischung verschiedenster Genres. So bedient er sich diverser Elemente aus dem klassischen Historienfilm, dem Liebesdrama und der Komödie. Abgerundet wird dieses Paket durch ein herausragendes Schauspielerensemble rund um Gemma Arterton, Sam Claflin und Bill Nighy.

London (GB), 1940: Mitten im Zweiten Weltkrieg erhält Catrin Cole (Gemma Arterton) vom British Ministry of Information den Auftrag einem Drehbuch für einen Propagandafilm eine weibliche Note zu verpassen. Während ihr Mann, der Künstler Ellis (Jack Huston), von ihrer neuen Tätigkeit nicht begeistert ist, kommt sie bei der Arbeit dem Filmemacher Tom Buckley (Sam Claflin) näher. Zusammen mit ihrem Team, welches u.a. aus dem gealterten Filmstar Ambrose Hilliard (Bill Nighy) und dem schauspieltechnisch völlig untalentierten Flieger Carl Lundbeck (Jack Lacy) besteht, versuchen sie einen Film zu schaffen, der die Menschen inmitten des Kriegsgeschehens zum Lachen und Weinen bringt. Bis ihr aller Leben von einem schweren Schicksalsschlag erschüttert wird…

Catrin (Gemma Arterton) und Tom (Sam Claflin) müssen zusammen ein Drehbuch erarbeiten.

Mit „Ihre beste Stunde“ bleibt die Regisseurin Lone Scherfig ihrer Grundthematik treu: der Inszenierung komplizierter Liebesverhältnisse bzw. schwieriger Lebensumstände. Bekanntheit erlangte sie bisher im deutschsprachigen Raum vor allem mit ihren Filmen „Italienisch für Anfänger“ (2000), „Zwei an einem Tag“ (2011) und „The Riot Club“ (2014). Ihr aktueller Film kann jedoch darüber hinaus als eine Hommage an die arbeitende Frau gesehen werden. Denn, zunächst nur zur Formulierung des sogenannten „Schmalzes“ angestellt, wird Catrin Cole schnell zu einem Fixpunkt im Filmteam und rettet mit ihren Drehbuch-Ideen schlussendlich die ganze Produktion. Darüber hinaus vergeht der zweistündige Film durch viel Wortwitz beinahe wie im Flug. So werden unterhaltsame Dialoge, (romantische) Gefühle und dramatische Situationen brilliant miteinander vermischt, ohne jemals den Schrecken des Krieges vergessen zu lassen.

Im Film bekommt der gealterte Filmstar Ambrose Hilliard (Bill Nighy) nur die Rolle des betrunkenen Onkels.

Jedoch bildet die wichtigste Komponente des Films das herausragende Schauspielerensemble, welches für „Ihre beste Stunde“ verpflichtet werden konnte. Sowohl in den witzigen als auch traurigen Situationen überzeugt Gemma Arterton („Prince of Persia“ (2010), „Byzantium“ (2012)) als lebhafte Drehbuchautorin Catrin Cole. An ihrer Seite ist Sam Claflin („Ein ganzes halbes Jahr“ (2016), „Die Tribute von Panem“ (2012-15)) in der Rolle des redegewandten, jedoch in Bezug auf Gefühle tollpatschigen Drehbuchautors Tom Buckley zu sehen. Als dritter im Bunde fungiert Bill Nighy („Best Exotic Marigold Hotel“ (2011), „Tatsächlich…Liebe“ (2003)) in der Rolle des gealterten, zynischen Filmstars Ambrose Hilliard, in welcher er vollkommen aufgeht und (wie in vielen anderen Filmen auch) die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Dreiergespann wird durch eine Reihe hervorragender Schauspieler unterstützt. So sind im Film z.B. Jeremy Irons („Die Borgias“ (2011-2013), „Der Mann in der eisernen Maske“ (1998)) als Kriegsminister und Helen McCroy („Peaky Blinders“ (2013-), „Penny Dreadful“ (2014-16)) als Agentin von Hilliard zu sehen.

Das Ergebnis, der Film „The Nancy Starling“, kann sich dennoch sehen lassen.

Insgesamt ist „Ihre beste Stunde“ eine der besten BBC-Produktionen der letzten Jahre, welche über weite Strecken durch viele witzige Dialoge zu unterhalten vermag. Als eine Mischung aus Komödie, Liebesdrama und Historienfilm gedacht, führt er vor Augen, dass Frauen auch schon während des Zweiten Weltkrieges (erfolgreich) im Filmbereich tätig waren und verdeutlicht zugleich, wie abhängig Frauen zur damaligen Zeit von (Ehe-)Männern waren. Schlussendlich bietet der Film zwei Stunden lang beste Kinounterhaltung – für Frauen und Männer.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Filmladen Filmverleih

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