Heraldisch – Genealogische Gesellschaft „Adler“ Wien

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Eine kurze Geschichte der Bibliothek der Heraldisch – Genealogischen Gesellschaft „Adler“ Wien.

Die Heraldisch – Genealogische Gesellschaft „Adler“ wurde in Wien am 10. Mai 1870 gegründet. Ab diesem Zeitpunkt wird der Grundstock zu der wohl umfangreichsten Fachbibliothek für die historischen Hilfswissenschaften, der Heraldik, Genealogie und Sphragistik gelegt.

Gönner, Freunde und Mitglieder überließen oder schenkten der Gesellschaft Bücher, Reihenwerke, Manuskripte und andere Materialien, zum Beispiel Stammtafeln und Nachfahrentafeln in den verschiedensten Darstellungsweisen, die sich im Laufe der Zeit zu einer eigenständigen Sammlung entwickelten. Aber nicht nur Schriftliches wurde der Bibliothek vermacht, es kam eine umfangreiche Siegelsammlung hinzu. Nicht nur Geschenke auch eigene Ankäufe zur Ergänzung des fachspezifischen Bestandes wurden getätigt.

Da die Bibliothek schon beachtlich angewachsen war, sah sich der damalige Vorstand genötigt eine größere Räumlichkeit anzumieten. Diese fand sich dann im Deutschen Hause, Singerstrasse Nr. 7 von 1876 – 1878.

Durch den schnellen Zuwachs an Büchern und Sammlungen wurden auch diese Räume in der Singerstraße zu klein, wieder war die Gesellschaft gezwungen sich um ein größeres Quartier umzusehen. Es fand sich in der Rosengasse Nr. 4 von 1888 bis 1910 in einer 3-Zimmer- Wohnung mit Vorraum. So hatte die Gesellschaft eigene Räumlichkeiten für die Bibliothek. Für die Mitglieder war jeweils am Mittwoch ein Leseraum vorhanden.

Die Neuaufstellung der Bibliothek nahm mehr als ein Jahr in Anspruch und im Jahr 1890 wurde der erste Bibliothekskatalog erstellt und gedruckt.

Ab dem Jahr 1910 bis zum Jahr 1952 findet die Gesellschaft in dem Haus Lerchenfelderstraße Nr. 3 ein neues Zuhause. Ein interessantes Haus, in ihm wohnten Katharina Schratt und Anton Wildgans. Aus dem Briefwechsel der Gesellschaft mit einer Nachfahrin des Dichters geht hervor, dass sich die Bibliothek der Gesellschaft eben in der Wohnung des Dichters befindet, die dieser von 1905 – 1909 bewohnte.

Die schwierigste Zeit für die Bibliothek war wohl die Nachkriegszeit ab 1945. Der damalige Vorstand bemühte sich den Verein wieder zu aktivieren. Nachdem die bürokratischen Hürden genommen waren, wurden erste Schritte zur Adaptierung der Bibliothek gesetzt. Die ausgelagerte Bibliothek wurde in sieben Transporten von April bis Oktober 1946 zurückgeführt und aufgestellt. Durch die Kriegsschäden hatte das Haus sehr gelitten, die Belastung durch die Bibliothek war auf Dauer nicht tragbar.

Der Gesellschaft wurden die leerstehenden, nicht genutzten Räumlichkeiten des Verwaltungsarchivs in der Wallnerstraße Nr. 6 Ecke Haarhof 4a als Ersatzquartier angeboten. Diese Adresse war über Jahrzehnte von 1953 – 1998  ein Begriff für Forscher und Besucher aus dem In – und Ausland. Nach dieser langen Zeit von fast fünf Jahrzehnten wurden auch diese Räume zu klein. Für die Zuwächse von Büchern, Zeitschriften und umfangreichen Nachlässen wurde auch hier der Raum zu knapp.

Im Herbst 1998 begann der vorerst letzte Umzug der Bibliothek in ein größeres Quartier, dem jetzigen Standort in die Universitätsstraße 6/9b.

Im Mai 1999 konnte mit einer kleinen Feier die Wiedereröffnung der Bibliothek am neuen Standort begangen werden.

Beide Weltkriege haben Struktur und Arbeitsweise des „Adler“ verändert. Frei von politischer und gesellschaftlicher Eingrenzung liegt das Augenmerk der Gesellschaft auf der wissenschaftlichen Pflege von Genealogie, Heraldik und Sphragistik in ihrer Eigenschaft als grundlegende Teildisziplinen der Geschichts- und Kunstwissenschaften.

Der „Adler“ bietet eine in Österreich einzigartige Sammlung in- und ausländischer genealogischer und heraldischer Zeitschriften zur Benutzung an welche weder in der Nationalbibliothek noch in der Universitätsbibliothek aufliegen. Die Bibliothek zählt derzeit rund 40.000 Bände Fachliteratur, deren Zahl sich durch Ankäufe, Tausch oder Spenden vergrößert. Ahnentafeln und Stammbäume älteren und jüngeren Datums, gemalte Ahnenproben und Wappenbriefe, sowie eine Sammlung originaler Adelsdiplome können eingesehen werden. Drei große genealogische Nachlässe die zurzeit aufgearbeitet werden ergänzen und erweitern die Forschungsmöglichkeiten. Eine vor Jahren angelegte „Biographische Sammlung ist bereits auf über 400 Ordner angewachsen. Die im Gründungsjahr 1870 angelegte Partensammlung ist bis zum heutigen Tage auf geschätzte 450.000 Stück  angewachsen.

Die Mitarbeiter am Mittwoch-Bibliotheksdienst beraten die Besucher bei der Suche nach Quellen und Literatur, geben Ratschläge für die Identifizierung von Familienwappen auf Bildern, Siegelringen und helfen auch beim Lesen alter Urkunden und Familiendokumente deren Entzifferung dem modernen Menschen immer größere Schwierigkeiten bereitet. Das wissenschaftliche Arbeiten steht somit im Vordergrund, aber auch Hobbyhistorikern und Heimatforschern wird mit den Beständen und der Hilfestellung der Mitarbeiter der Bibliothek die Arbeit erleichtert.

So besteht die begründete Hoffnung dass die Heraldisch – Genealogische Gesellschaft „Adler“ auch in den nächsten Jahren, ihrem Sinn und Ihrer Aufgabe folgend, als gemeinnützige Institution trotz Internet unentbehrlich bleiben wird.

Öffnungszeiten jeden Mittwoch von 17h – 19h. Benutzergebühr € 10.-

Wenn Sie Fragen haben, bitte senden Sie ein E-Mail an christa.mache@gmail.com

Wien im Juli 2016, Dr. Christa Mache

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