GabiTours Führung „Corona, Pest und Cholera“ – Bericht

Corona, Pest, Cholera & Co.

Gestern (06.06.20) fand die Premiere von Gabriele Saeidis (GabiTours) aktueller Führung zum Thema „Corona, Pest und Cholera – Wien in Zeiten von Seuchen und Epidemien“ statt. Die knapp zweistündige Tour in der Wiener Innenstadt bietet einen sehr spannenden Streifzug durch die Wiener Geschichte in Hinblick auf Krankheiten, die die österreichische Hauptstadt bisher heimgesucht haben. Trotz des scheinbar recht ernsten Themas, ist durch lustige und interessante Fakten rund um Pest, Cholera & Co. ein unterhaltsamer Vormittag garantiert.

Die Corona-Krise ist an niemandem spurlos vorbei gegangen. Umso schöner ist es, dass nun auch im Kultursektor in manchen Bereichen so etwas wie „Normalität“ einkehrt. So fand am ersten Samstag in Juni (06.06.2020) bei strahlendem Sonnenschein in der Wiener Innenstadt der erste Termin der neuen Führung von Gabriele Saeidi statt. Unter dem höchst aktuellen Motto „Corona, Pest und Cholera – Wien in Zeiten von Seuchen und Epidemien“ galt es knapp zwei Stunden lang die Wiener Stadtgeschichte unter dem Aspekt bisher aufgetretener Krankheiten zu erkunden – selbstverständlich unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. So trug die Fremdenführerin ein Gesichtsvisier und alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Mund-Nasen-Schutz, denn, obwohl die Führung im Freien stattfand, konnte nicht immer der erforderliche 1 Meter Abstand eingehalten werden. Zur „Desinfektion“ bekamen alle (erwachsenen) Anwesenden gleich zu Beginn einen Jägermeister ausgehändigt.

Relief von Marx Augustin beim Griechenbeisl.

Dann ging es auch schon los zur ersten Station – dem Griechenbeisl. Ein Ort, der bis heute mit dem „lieben Augustin“ und seinem wenig erfreulichen Ausflug in eine Pestgrube verbunden wird, welchen Gabriele Saeidi mit viel Humor zum Besten gab. Die Pest begegnete den Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch zu einem späteren Zeitpunkt der Tour noch einmal in Form der Pestsäule am Graben. Diese hat angesichts der Corona-Krise wieder eine eigentümliche Aktualität erlangt. Einige entzündete Grablichter zeugten noch rund drei Monate nach Ausbruch des Corona-Virus in Österreich von der Bedeutsamkeit der Pestsäule als Ort des Gebets und der Hoffnung für die Menschen. Ähnlich wie der abgebildete Kaiser Leopold I. (1640-1705) dürften auch sie für ein baldiges Ende der aktuellen Pandemie gebetet haben.

Grabmäler vom ehemaligen Domfriedhof (Stephansdom).

Im Gegensatz zur Pest, die bis heute noch vereinzelt auftritt, sind andere Krankheiten (scheinbar) vollkommen von der Erdoberfläche verschwunden. Dazu zählen etwa die Pocken, die auch an den Reichen und Schönen nicht spurlos vorbei gingen. In Österreich sind damit natürlich vorrangig die Habsburger gemeint, die wiederholt Familienmitglieder, vor allem zu Zeiten Maria Theresias, an diese Krankheit verloren. Wie die Fremdenführerin zu berichten wusste, konnten die Pocken, selbst wenn man diese überlebte, aufgrund ihrer entstellenden Wirkung selbst Heiratsarrangements platzen lassen. Auch die Syphilis hatte im Endstadium katastrophale Auswirkungen, die selbst Otto von Habsburg („Der schöne Erzherzog“, 1865-1906) – nicht zu verwechseln mit seinem 2011 verstorbenen Namensvetter – ereilte.

Die Pestsäule am Graben.

Auch der sogenannte „Englische Schweiß“, der bis heute noch einige Rätsel aufgibt, ging an Wien nicht vollständig vorbei. Er dürfte vermutlich die Stadtgeschichte mitgeprägt haben, da sein Auftreten mit der Ersten Wiener Türkenbelagerung (1529) zusammenfiel. Deutlich wird an dessen Namen auch der Rassismus, der oftmals mit dem Auftreten von Seuchen und Pandemien einherging. Man denke nur an die Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung während der Pestausbrüche, die Betitelung der Tuberkulose als „Wiener Krankheit“ und die „Spanische Grippe“ Ende der 1910er Jahre. Viele weitere, trotz der ernsten Grundthematik, unterhaltsame und spannende historische Details können bei einem der noch ausstehenden Führungstermine erfahren werden.

 

Text & Bilder: © Barbara Klaus

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