Fragestellung: Kann der Steuerberater im Rahmen eines Burnout – Prozesses Hilfestellung geben?

Ziel dieses Beitrages ist es, der Frage nachzugehen, ob auch ein Steuerberater einen Beitrag leisten kann, um Betroffenen im Rahmen seines Burnout-Syndroms beratend zur Seite stehen.

1) Der Zusammenhang zwischen dem Burnout-Syndrom und der Tätigkeit eines Steuerberaters

Wie oben beschrieben, stellt das Erleben von Misserfolg eine wichtige Kategorie des Burnout-Syndroms dar.

Hat der Betroffene ein eigenes Unternehmen, kann das Erleben von Misserfolg in seinem Unternehmen vor allem folgende Ursachen haben:

-) unzureichende Entwicklung der erzielten Umsätze

-) überhöhte Ausgabenstruktur und damit verbundene

-) Finanzierungsengpässe

-) überhöhte Steuerbelastung

Jede einzelne dieser Ursachen kann ohne rechtzeitige Einleitung von Gegenmaßnahmen zur Überschuldung und in der Folge zur Insolvenz des Unternehmens führen.

Um dieser Entwicklung rechtzeitig positiv gegensteuern zu können, verfügt der Steuerberater über folgende Möglichkeiten:

-) Rasche Erstellung der Unternehmensbilanz

Die Bilanz ist ein wichtiger Bestandteil der Feststellung und Kontrolle des Unternehmenserfolges. Sie bildet die Basis für die Beurteilung des Unternehmens durch Banken, Geschäftspartner und Kreditschutzverbände.

Die Bilanz sollte vom Steuerberater in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmer erstellt werden, damit unter Ausnutzung aller steuerlichen Möglichkeiten eine möglichst geringe Steuerbelastung sichergestellt wird.

-) Planung der zukünftigen Erträge und Kosten (= Budgetplanung)

Neben der Bilanzerstellung ist die Vorausplanung der Einnahmen und Ausgaben (bzw. der Erträge) eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unternehmen. Als Devise gilt hier: nicht auf den Erfolg warten, sondern den Erfolg planen.

Aufgrund der Budgetplanung werden frühzeitig negative Entwicklungen erkennbar, wie z.B. zukünftige Finanzierungsengpässe sowie die Möglichkeit aus den Betriebsgewinnen notwendige zukünftige Investitionen selbst finanzieren zu müssen. Auch ein für notwendige Investitionen erforderlicher Kreditbedarf lässt sich aus der Planungsrechnung ableiten.

Jede Planungsrechnung muss nach Vorliegen des tatsächlichen Ergebnisses mit diesem verglichen werden, um festzustellen, ob der angestrebte Gewinn und die angestrebte Kostenstruktur erreicht wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen umgehend geeignete Maßnahmen zur Erhöhung der Gewinn- bzw. zur Senkung der Kostenstruktur des Unternehmens ergriffen werden, um dessen Fortbestand zu gewährleisten.

-) Erzielung einer soliden Finanzierungsstruktur

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist eine solide Finanzierungsstruktur.

Hierbei soll einerseits sichergestellt werden, dass das Unternehmen durch einen recht hohe Eigenkapitalquote das Ziel einer sicherheitsorientierten (risikoarmen) Geschäftspolitik verfolgt, wodurch auch eine bessere Bonitätsbeurteilung durch Banken gewährleistet ist.

Andererseits soll das Ziel einer fristengerechten Finanzierung erreicht werden. Dies bedeutet, dass Investitionskosten, die durch längerfristige Erlössteigerungen erst in einem Zeitraum von z.B. 10 Jahren wieder ausgeglichen (= zurückverdient) werden können auch mit Krediten finanziert werden müssen, deren Laufzeit zumindest ebenfalls 10 Jahre beträgt. Ist die Kreditrückzahlungsrate aufgrund einer kurzfristigeren Kreditvereinbarung höher als die im gleichen Zeitraum verdienten Zusatzeinnahmen, wird es im Unternehmen aufgrund überhöhter Ausgaben fast zwangsläufig zu Liquiditätsengpässen kommen.

Zur Vermeidung unnötiger Risiken ist es also zwingend erforderlich, langfristig gebundenes Vermögen mit entsprechend langfristigen Krediten zu finanzieren.

2) Zusammenfassung

Auch wenn es auf den ersten Blick schwer vorstellbar erscheint, ergibt sich aus den vorangegangenen Ausführungen, dass ein Steuerberater durchaus Möglichkeiten hat, einem unter dem Burnout-Syndrom leidenden Unternehmer bei der Linderung seines Leidens durch gezielten Einsatz seiner fachlichen Kenntnisse behilflich zu sein, indem er einen Beitrag dazu leistet, dass das Erleben von Misserfolg durch den Betroffenen systematisch durch das Erzielen unternehmerischer Erfolgserlebnisse in den Hintergrund gedrängt wird. Durch das bewusste Wahrnehmen dieser positiven Erlebnisse sollte der Betroffene auch den Glauben an die Sinnhaftigkeit seiner Tätigkeit schrittweise wiedergewinnen können.

Mag. Herbert Bajt

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