„Er ist wieder da“ – Filmkritik

Würden Sie ein Selfie mit ihm machen?

In wenigen Tagen läuft der Film „Er ist wieder da“ in den österreichischen Kinos an. Die Verfilmung der gleichnamigen Literaturvorlage ist sowohl unterhaltsam, wie auch beklemmend. Der Übergang zwischen den beiden Zuständen erfolgt fließend. Am Ende des Films sieht sich der Zuschauer mit der Frage konfrontiert: Was würden Sie tun, wenn „er“, Adolf Hitler, plötzlich wieder unter uns weilen würde?

Der ‚Führer‘, Adolf Hitler (Oliver Masucci), ist wieder da. Knapp 70 Jahre nach dem Ende des Krieges erwacht er 2014 in einem Berliner Park. Mit der Moderne und der Geschichte der vergangenen Jahrzehnte konfrontiert, wird er für einen Komiker gehalten und startet eine Karriere im Fernsehen. Innerhalb kürzester Zeit wird er zum gefeierten TV- und You-Tube-Star. Was niemand ahnt ist, dass er sich seit 1945 nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich nicht verändert hat.

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Er ist wieder da: Adolf Hitler (Oliver Masucci) erwacht im Jahre 2014.

Nach dem großen Erfolg des Buches, welches sich 20 Wochen lang auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestsellerliste hielt, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch die Leinwand erobern würde. Für das Drehbuch wurden einige Elemente des Romans filmgerecht adaptiert. So gestaltet sich die erste Stunde des Films als unterhaltsame und rasante Reise des in die Zukunft gereisten Hitlers im heutigen Deutschland. Hitler muss sich mit der modernen Welt voller Flachbildfernseher, dem World Wide Web und Handys auseinandersetzen. Auch wird er für eine Reihe von komödiantischen Fernsehformaten als Gaststar engagiert und wird schnell zum gefeierten YouTube-Star. Bis zu diesem Punkt könnte der Film als eine nicht ernstzunehmende Komödie angesehen werden.

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Hitler hat mit der neuen Technik noch so seine Probleme.

Doch der Film soll mehr als nur einen reinen Unterhaltungswert aufweisen. Er möchte zum Nachdenken anregen, nicht nur über die Geschichte selbst, sondern vor allem über unser eigenes Verhalten. Denn auch der durch die Zeit gereiste ‚Führer‘ schafft es punktgenau jene Probleme anzusprechen, die die heutige Politiklandschaft beschäftigen – und findet so Zustimmung in der Bevölkerung. Eine erschreckende Vorstellung, die nicht nur beklemmend wirkt, sondern auch betroffen macht.

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Er kann auch myTV-Senderchefin Bellini (Katja Riemann) von sich überzeugen.

In der Hauptrolle des Adolf Hitler ist Oliver Masucci zu sehen, welcher einen bemerkenswert überzeugenden ‚Führer‘ zum Leben erweckt. Mit seiner Darstellung sticht er aus der Masse an Schauspielern, welche ihn schon verkörpert haben, deutlich heraus. Unglaublich unterhaltsam ist auch Franziska Wulf in der Rolle der Gothik-Sekretärin Franziska Krömeier. In weiteren Rollen sind u.a. die bekannte/n Schauspieler/innen Christoph Maria Herbst (Christoph Sensenbrink), Katja Riemann (Katja Bellini) und Michael Ostrowski (Ricco Mancello) zu sehen.

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Als Gast ist er u.a. in einer TV-Show zu sehen, die von Frank Plasberg moderiert wird.

Insgesamt ist „Er ist wieder da“ eine gelungene Romanverfilmung, die zugleich eine Komödie als auch bissige Satire sein möchte und den Übergang zwischen den beiden Zuständen (fast) perfekt schafft. Aufgrund der Thematik des Films werden vor allem erst Erwachsene alle Zusammenhänge in diesem verstehen. Wer auch während des Abspanns im Kino sitzen bleibt, wird auch einen bekannten österreichischen Politiker inmitten einer Bilderreihe von Demonstrationen und Gewalt zu Gesicht bekommen.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © 2015 Constantin Film Verleih GmbH

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