„Don Jon“ Filmkritik

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Mit „Don Jon“ kommt am 15. November 2013 wohl einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres für Erwachsene in die heimischen Kinos. Er besticht durch überzeugende Schauspieler, Humor und Emotionen, sowie einer superschlanke Laufzeit von „nur“ 90 Minuten.

Dem gut aussehenden Barkeeper Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) sind einige wenige Dinge im Leben wirklich wichtig. Neben seinem durchtrainierten Körper, seinen Kumpels und seinem Auto gehören dazu auch noch seine Wohnung, seine Familie, die Kirche und natürlich auch noch seine ständig wechselnden sexualen Kontakte. Aber es gibt eine Sache, die John wichtiger ist als alles andere: Pornos. Warum, könnte man fragen. Denn schließlich nimmt er regelmäßig die besten Frauen mit zu sich nach Hause. Ein Umstand, der ihm auch den Namen „Don Jon“, angelehnt an den größten Schürzenjäger der Literatur (Don Juan), einbrachte. Dennoch findet Jon echte Befriedigung nur bei einem richtig guten Sexfilm.

Alles scheint sich zu verändern, als er eines Abends auf die umwerfend schöne Barbara Sugarman (Scarlett Johansson) trifft. Nachdem sie sich nicht bereit erklärt mit ihm nach Hause zu gehen, macht er sie über Facebook ausfindig und versucht sie bei einem gemeinsamen Mittagessen zu verführen. Jedoch lässt sie sich nicht so leicht erobern und möchte ihn, sowie seine Freunde und Familie, vor einer gemeinsamen Nacht, kennen lernen. Auch bringt sie ihn dazu wieder die Abendschule zu besuchen. Nach und nach krempelt Barbara das Leben von Jon nach ihren Vorstellungen um. Nach mehreren Wochen zusammen lässt sie ihn endlich ran, jedoch sitzt er noch in der gleichen Nacht wieder am Computer, um sich einen Porno anzusehen. Als Barbara ihn dabei erwischt ist sie entsetzt und angewidert. Er redet sich mit einer Lüge aus der Situation fürs erste heraus und verspricht ihr sich nie wieder einen dieser Filme anzusehen.

Jon kommt jedoch seiner Sucht nach Sexfilmchen nicht aus und versucht sich diese heimlich anzusehen. Als er sich schließlich einen Porno auf dem Handy in der Abendschule ansieht, wird Esther (Julianne Moore) auf ihn aufmerksam. Die deutlich ältere, kontaktfreudige, aber zugleich zumeist traurig wirkende Mitschülerin Jons reagiert darauf deutlich gelassener als seine Freundin Barbara. Sie schenkt ihm sogar einen DVD mit einem Porno aus den 70er Jahren.

Schließlich kommt es, wie es kommen muss. Barbara sieht sich den Internet-Verlauf am Laptop ihres Freundes an und kann es nicht glauben. Innerhalb nur eines Tages hat er mehrere dutzend Sexseiten besucht! Wird es dennoch ein Happy End geben?!

Mit seinem Regiedebüt ist Joseph Gordon-Levitt vielleicht kein oscarreifer Film gelungen, jedoch mit Sicherheit ein Movie für einen unterhaltsamen Kinoabend mit einer interessanten Message, die erst zum Schluss des Films offensichtlich wird. Der in seinen sonstigen Filmen, wie „Inception“ und „The Dark Knight Rises“ so smart wirkende Gordon-Levitt stellt im Film einen durchaus überzeugenden Frauenhelden und Macho dar, der wöchentlich seine Sünden beichtet und die dabei aufgebrummten „Vater unser“ und „Ave Maria“ im Fitnessclub beim Bodybuilding vor sich hinmurmelt.

Scarlett Johansson verkörpert als kurvenreiche Barbara einen fleischgewordenen Männertraum. Auf den ersten Blick scheint sie für Don Jon die perfekte Frau zu sein, von welcher auch seine Eltern begeistert sind. Ihr gegenüber steht die vom Hollywood-Star Julianne Moore dargestellte Esther. Die vom Schicksal schwer getroffene Frau ist es schließlich, die Jon den richtig Weg aufzeigt und versucht ihn von der Porno-Sucht abzubringen.

Insgesamt ist „Don Jon“ ein Film, der sich ganz offen gegen die fließbandmäßig hergestellten Hollywood-Schnulzen stellt und gleichzeitig selbst wieder ein Liebesfilm ist – wenn auch einer der etwas anderen Art. Denn schließlich wird die durchschnittliche Liebeskomödie selten aus einer rein männlichen Perspektive, in diesem Fall jener von Jon, geschildet und im Grunde nie sind Pornos in diesen ein Thema. Schlussendlich hat der Film aber eine ausgezeichnete Message: Liebe ist keine einseitige Sache, weder im virtuellen, noch im realen Leben.

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