„Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 1“ – Filmkritik

Das große Finale beginnt….

In wenigen Tagen (21.11.) kommt mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 1“ der erste Teil der Verfilmung des dritten Bandes der Panem-Trilogie von Suzanne Collins in die österreichischen Kinos. Das Buch wurde für den Film sehr detailgetreu adaptiert, dennoch unterscheidet es sich durch seine farblosen Settings, sowie die omnipräsente bedrückende Stimmung stark von seinen Vorgängern. Dass die bisher sehr jungen Fans die Tragweite und die Vielschichtigkeit der Handlung verstehen, darf bezweifelt werden.

Die Handlung setzt am Ende des vorherigen Teils ein. Katniss (Jennifer Lawrence) wurde zusammen mit einigen anderen Tributen aus der Arena in den bisher vernichtet geglaubten Distrikt 13 in Sicherheit gebracht. Aber Peeta (Josh Hutcherson) konnte nicht gerettet werden und geriet in die Fänge des Kapitols. Dennoch erklärt sie sich dazu bereit zur heroischen Symbolfigur der Revolution der Distrikte gegen das Kapitol hochstilisiert zu werden. Welche Auswirkungen diese Entscheidung auf ihr Leben und das Schicksal ihrer Mitmenschen hat, begreift sie erst nach und nach…

Wer sich einen Film mit einem klar definierten Spannungsbogen und eindeutigem Ende erwartet, muss leider enttäuscht werden. Denn wie schon z.B. bei den Twilight- und Harry Potter-Verfilmungen, konnten auch die Produzenten dieser Filmreihe dem Drang nicht wiederstehen den Hype um die Literaturverfilmung künstlich zu verlängern und teilten kurzerhand das dritte und letzte Buch der Panem-Trilogie in zwei Teile. Über die Sinnhaftigkeit dessen kann diskutiert werden. Insgesamt hat das Produktionsteam das Bestmögliche aus der Situation gemacht und einen Film geschaffen, der mehr auf Emotionen als auf Action setzt. Dennoch kann nicht von der Hand gewiesen werden, dass es sich beim aktuellen Film um eine Art ‚Lückenfüller‘ für das spannende Finale nächstes Jahr handelt.

„Die Tribute von Panem-Mockingjay Part 1“ unterscheidet sich wie Tag und Nacht von den bisherigen beiden Filmen der Panem-Trilogie. So haben sich die Stimmung, die Locations und die Darsteller stark verändert. Während in den ersten beiden Romanverfilmungen noch Distrikt 12, das Kapitol und die Arenen als Haupthandlungsorte fungierten, spielt dieser Teil vornehmlich in dem lange als vernichtet gegoltenen Distrikt 13. Dort erscheint alles grau in grau – die Menschen und die Gebäude – allem haftet neben der allgemein vorherrschenden Farblosigkeit auch ein Gefühl der Uniformität und Gleichheit an. Er bildet den scheinbaren Gegenpart zum individuellen und protzigen Kapitol, das in diesem Film nur kurz und deutlich blasser in Erscheinung tritt. Als Handlungsschauplätze dienen auch noch einige andere Distrikte, sowie der vernichtete Distrikt 12. Sie alle revoltieren gegen die Führung durch das Kapitol oder befinden sich bereits im Kampf.

Alles in allem kommt der Zuschauer keine Minute der bedrückenden und hochemotionalisierten Stimmung des Films aus. Natürlich gibt es auch die eine oder andere actionreiche Szene im Laufe des Films, jedoch erschien dem Produktionsteam das Einfangen der Atmosphäre und der tieferen Bedeutung der handlungstechnischen Entwicklungen wohl wichtiger als die Belustigung der Zuschauer durch überflüssige Kampfszenen. Die Bedeutung und möglichen (selbst-)zerstörerischen Auswirkungen eines Bürgerkrieges zwischen den Distrikten und dem Kapitol werden immer wieder aufs Neue angedeutet. Dass das gerade durch die aktuellen politischen Entwicklungen u.a. in der Ukrainekrise sehr brisante Thema von den jungen Fans der Serie in seiner gesamten Tragweite erfasst wird, kann als sehr unwahrscheinlich gelten.

Im Gegensatz zu den bisherigen Panem-Teilen, fordert der aktuelle Film die schauspielerischen Leistungen aller Darsteller mehr denn je. Gerade jetzt zeigt sich das Können der Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen) und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie eine der zukünftigen Größen Hollywoods sein wird bzw. schon ist. Auch Elizabeth Banks (Effie Trinket), Donald Sutherland (Präsident Snow), Natalie Dormer (Cressida) und besonders Julianne Moore (Präsident Alma Coin) hauchen ihren dargestellten Charakteren überzeugend Leben ein und lassen damit das Herz eines jeden Anhängers der Romanreihe höher schlagen. Enttäuscht werden vor allem alle Fans des Schauspielers Josh Hutcherson (Peeta Mellark) sein, denn er tritt im Laufe dieses Films viel zu selten in Erscheinung. Dahingegen spielt Liam Hemsworth (Gale Hawthorne) immer mehr eine tragende Rolle in der Panem-Reihe.

Insgesamt ist der Film „Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 1“ alles andere als eine leichte Kost. Wer seichte Unterhaltung sucht, sollte von diesem Film besser die Finger lassen. Die düstere und bedrückende Stimmung ist mit Sicherheit nichts für jedermann und könnte auch die bisherigen Fans der Filme verstören. Jedoch regt er auch zum Nachdenken an und könnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch einem Filmkenner mit Niveau gefallen.

Text: Barbara Klaus

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