Das Gymnasium Geblergasse in Wien 1170

Das Gymnasium Geblergasse in Wien 1170

hat sich ganz der Theaterkunst verschrieben. Nicht nur, dass es in der Unterstufe sowie der Oberstufe Schauspiel als Wahlfach hat, gibt es noch ein benotetes Wahlpflichtfach in dieser Sparte, in dem man auch maturieren kann. Die begeisterten Jugendlichen werden dabei durch Workshops des Volkstheaters unterstützt und zeigen bei Schulaufführungen erstaunliche Leistungen, exzellent geleitet und begleitet von der überaus engagierten Lehrerin, Bettina Stokhammer.

Nach der erfolgreichen Produktion des Dramas von Dürrematt: Der Besuch der alten Dame im April dieses Jahres (siehe Bericht Vienna –Journal) wurde in der Woche vom 04.-08: Juni 2019 Oscar Wildes gesellschaftskritische Satire:  Ernst sein ist alles, der deutsche Titel von The Importance of Being Ernest oder auch Bunbury, von den Schülern des Wahlpflichtfaches aufgeführt.

Es ist kaum zu glauben, dass die Spitzen gegen die etablierte Gesellschaft und der von Oscar Wildes treffende Humor, heute noch genauso gültig sind, wie zur Zeit, in der das Stück geschrieben wurde.

Um aus der jeweiligen Gesellschaft wenigstens für kurze Zeit ausbrechen zu können, erfinden die beiden befreundeten Lebemänner, heute würde man sagen Playboys, jeweils eine Person, die ihre Hilfe benötigt. Algemon legt sich einen kranken Freund namens Bunbury zu und Jack behauptet nach seinem liederlichen Bruder Ernst sehen zu müssen.

Das klappt, bis die beiden sich verlieben und ihre Auserwählten, Gwendolen und Cecily sich auf den Namen Ernst für ihre Verehrer kaprizieren. Der Knoten löst sich dann, durch die Aufklärung über den wahren Stand Jacks, der als Kind in einer Tasche auf dem Bahnhof von der Governess vergessen worden war, der eigentlich den Namen Ernst, nach seinem Vater erhalten hatte, ein beträchtliches Vermögen besitzt, aufgrund dessen seine heiß geliebte Gwendolen heiraten darf, und nun die besondere Bedeutung des Namens Ernst hoch zu schätzen weiß. Selbst die vergessliche Governess, Miss Prism, findet in Rev. Canon Casuble einen Verehrer. Das Stück endet schließlich mit drei glücklichen Paaren.

Mit vielen Freizeitopfern und gründlichem Studium der teils sehr langen Textpassagen für jeden Einzelnen, sowie der straffen Bearbeitung und Regie von Bettina Stokhammer, zeigte das achtköpfige Ensemble eine reife Bühnenleistung. Die jungen Schauspieler brachten die vielen Pointen richtig zur Geltung und das Publikum zum Lachen.

Jeder einzelne Charakter war bis auf das Kleinste ausgefeilt, wirkte aber trotzdem nicht einstudiert, sondern ließ die Freude, den Enthusiasmus und die Einfühlung der jungen Leute in die darzustellende Person erkennen.

Mit der, Playboys eigener Nonchalance, bezauberten die beiden Hauptdarsteller das Publikum.  Die beiden begehrten Mädchen hätten vielleicht ihre Verliebtheit um eine Spur mehr zur Schau stellen können. (Schwierig-Oder?)

Miss Prism war zwar etwas schüchtern aber doch bestimmt war ihre Annäherung an Rev. Casuble erkennen. Das männliche Gegenstück vermag die Verlegenheit des Mannes darüber gut zum Ausdruck zu bringen, unterliegt aber schließlich den Avancen.

Eine sehr resolute Lady Bracknell zeigt ausgezeichnet die Wandlung ihrer Einstellung, nachdem sie vom Vermögen Ernsts erfahren hat.

Selbst die, in einer Rolle vereinten Charaktere des Butlers Merriman und des Dieners Lane verfehlten nicht, die traditionell teilnahmslos scheinende Haltung des Personals deutlich zu zeigen.

Die richtige Stimmung der Umgebung zu vermitteln gelang durch die an die Rückwand der Bühne geworfenen Bilder, eine sehr brauchbare, moderne Art der Bühnenarchitektur für kleine Theater oder Schulfestsäle.

Alles in allem war diese Aufführung eine ausgesprochen reife Leistung in Zusammenarbeit mit allen Personen vor und hinter der Bühne, und man wünscht sich weitere, so ausgereifte, hart erarbeitete und doch mit in solcher Leichtigkeit erscheinende Projekte für das nächste Schuljahr.

Inszenierung und Bearbeitung: Bettina Stokhammer
Die Bilder wurden von Frau Stokhammer zur Verfügung gestellt.

Ensemble:

Philipp Hübler, 7B: John Worthing, Friedensrichter, Manor House, Woolton, Hertfordshire

Noam Wagner, 7B: Algernon Moncrieff, sein Freund

Levi Busch, 7B: Hochwürden Kanonikus Chasuble, Pfarrer in Woolton

Felix Hiebl, 7B, Merriman, Mr. Worthings Butler + Lane, Mr. Moncrieffs Butler

Nina Wanko, 7A: Lady Bracknell (aka Tante Augusta)

Olga Metelko, 7B: Lady Gwendolen Fairfax, ihre Tochter

Michelle Altmann, 6B: Cecily Cardew, John Worthings Mündel

Anne Pekler, 7A: Miss Prism, ihre Gouvernante

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