„Dallas Buyers Club“_Filmkritik

McConaughey begeistert als AIDS-kranker Cowboy

Mit dem Film „Dallas Buyers Club“ kommt am 7.2. ein weiterer Oscarfavorit in die heimischen Kinos. Die Geschichte rund um den AIDS-Kranken Ron Woodroof, der den „Dallas Buyers Club“ gründete, brilliert mit einer guten Story, herausragenden Darstellern und ein klein wenig Humor.

Als der 35-Jährige Ron Woodroof (Matthew McConaughey) nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus landet, eröffnen ihm die Ärzte nicht nur, dass er HIV-positiv ist, sondern auch nur noch etwa 30 Tage zu leben hat. Für den bislang nur an Rodeo, Frauen, Alkohol und Koks interessierten Ron scheint eine Welt zusammenzubrechen. Nach einer ersten Phase der Leugnung, findet sich der Elektriker schnell in der Rolle eines Außenseiters wieder. Der homophobe Texaner wird von Freunden und Kollegen gemieden und als „Schwuchtel“ bezeichnet, da 1985 die Krankheit noch von vielen als „Schwulenkrankheit“ abgestempelt wurde.

Jedoch will sich Ron nicht mit dem vermeintlichen Todesurteil abfinden und recherchiert auf eigene Faust Fakten zu der bislang weitgehend unerforschten Krankheit. Schnell stößt er auf eine Studie, bei welcher AIDS-Patienten mit dem bisher noch nicht zugelassenen Medikament AZT behandelt werden. Sein anfänglicher Bestechungsversuch bei der Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) ihm das Medikament und kein Placebo zu verabreichen scheitert, woraufhin er gegen Einwurf kleiner Scheine von einem Mitarbeiter des Krankenhauses unter der Hand die Arznei bekommt. Kurz vor Ablauf der prognostizierten 30 Tage bricht Ron zusammen und erkennt beinahe zu spät, dass ihm das Medikament nicht geholfen hat. Daraufhin sucht er nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten und stößt auf einen Arzt in Mexiko, der ihn mit in den USA nicht zugelassenen Medikamenten und Proteinpräparaten wieder auf die Beine hilft.

Aber dabei bleibt es nicht. Ron ist davon überzeugt, dass sich mit dem Schmuggel von diesen Präparaten in die USA eine Menge Geld verdienen lässt. Jedoch gelingt es ihm aufgrund seiner homophoben Einstellung nur schwer Kunden zu gewinnen. Aus diesem Grund braucht er einen Kontaktmann aus der Szene, den er in dem transsexuellen AIDS-kranken Rayon (Jared Leto) findet. Zusammen gründen sie den „Dallas Buyers Club“, dem man für 400 Dollar im Monat an Mitgliedsbeitrag beitreten kann und im Gegenzug dafür alle Präparate bekommt, die man braucht. Das Geschäft läuft erfolgreich und der Club wird landesweit bekannt. Aber die Pharmaindustrie versucht mit immer härteren Mitteln das Geschäft zu unterbinden….

Der auf einer wahren Geschichte basierende Film schildert nicht nur das Leben von Ron Woodroof, sondern macht auch auf die in den 1980er Jahren vorherrschenden

Vorurteile gegenüber der Krankheit AIDS aufmerksam. Wer sich aufgrund der Thematik einen tieftraurigen und dramatischen Film erwartet, muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Natürlich verfügt er über dramatische Episoden, dennoch gleitet der Film nie zu sehr ins Sentimentale ab, sondern begegnet vielen Situationen mit einer ordentlichen Portion Humor.

Die Brillanz des Films machen vor allem die schauspielerischen Leistungen von Matthew McConaughey und Jared Leto aus. McConaughey verkörpert extrem überzeugend den schwulenhassenden Texaner, inklusive Schnauzbart und Cowboyhut. Auch körperlich ging er für den Film an seine Grenzen. So nahm er für den Film etwa 25 Kilogramm ab, um überzeugend einen sterbenskranken Menschen darstellen zu können. Ähnliches nahm auch Jared Leto auf sich, der so viel Gewicht verlor, dass schlussendlich sogar seine Knochen unter der Haut erkennbar waren. Denn er hatte einen von der AIDS-Krankheit und Drogenmissbrauch gezeichneten Menschen darzustellen. Ebenso wie McConaughey schien auch Leto sich voll und ganz seiner Rolle verschrieben zu haben. Man kauft ihm seine Darbietung als transsexueller AIDS-Kranker, inklusive Kleid, leuchtendem Make-Up und Perücke, voll und ganz ab. Nicht ohne Grund gelten sie als haushohe Favoriten in den beiden männlichen Hauptkategorien bei den diesjährigen Oscars. Wie viele der insgesamt sechs Nominierungen der Film schließlich in Goldstatuen verwandeln kann, wird man wohl erst nach der Oscarverleihung am 2. März erfahren.

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