BRIONI

 

Dinosaurierspuren, illyrische Gräber, römische Wirtschaftsgebäude, ein byzantinisches Castrum und ein venezianisches Kastell, altösterreichische Forts, kommunistische Villen, keine Privatautos, keine Disco, Natur für alle Sinne…Das wäre eine Kurzbeschreibung von Geschichte und Gegenwart der Insel Brioni bei Pula.

1893 hat Paul Kupelwieser, der Generaldirektor der Witkowitzer Eisenwerke und Sohn des berühmten Malers, mit der Kultivierung der malariaverseuchten, verlassenen Insel begonnen und mit ungeheurer Tatkraft und Ausdauer einen Kurort für das gehobene Bürgertum, für Künstler und den Adel geschaffen.

Die Ausrottung der Malaria mit Hilfe von Dr. Robert Koch, 1908 die erste submarine Wasserleitung vom 3,5 km entfernten istrianischen Festland, das erste Dieselpassagierschiff der Welt und 1913 das erste Winterschwimmbad mit geheiztem Seewasser an der Adria sind einige Höhepunkte in diesen Jahren.

Der Kurarzt Dr. Otto Lenz ordinierte von 1906 bis 1938 und hat alles behandelt, von der Furunkulose Schnitzlers bis zu den Depressionen und Süchten der Filmschauspielerin Renate Müller. Berühmte Stammgäste waren auch Mann, Ewers, Niese, Devrient, Moissi, Wohlgemuth, Tressler, Nedbal, Tandler, Krafft-Ebing, Zuckerkandl, Drasche, Wittgenstein, Mautner Markhof, aus dem Adel Erzherzog Franz Ferdinand, Marie Valerie und Fürstin Elisabeth Windisch-Graetz. Hugo Charlemont schuf über 150 Brioni-Gemälde.

Karl Hagenbeck richtete eine Akklimatisierungsanstalt für seinen Hamburger Tierpark ein. Flamingos am Teich, frei lebende, z. T. dressierte Affen und eine Straußenzucht zählten zu den Besonderheiten.

Paul Kupelwieser starb 1919, Brioni fiel an Italien, Sohn Karl übernahm die Geschäftsführung und gestaltete Brioni um zur Sportinsel mit Golf und Polo, dazu ein Casino. Auch in den 20er und 30er Jahren kamen berühmte Gäste, z.B. Strauss, Shaw, d’Albert, Reinhardt, Roda Roda, Krauss, Söhnker. 1930 beging Karl Kupelwieser Selbstmord. Es folgte der Konkurs und der italienische Staat übernahm die Geschäfte.

1943 besetzten deutsche Soldaten und im April 1945 wurde die Schnellbootbasis mit einem alliierten Bombenteppich bedacht. Einzig das alte Bootshaus von 1902, Praxis des Kurarztes, blieb verschont und ist jetzt ein sehenswertes Informationszentrum. Heute organisiert das Wiener Reisebüro Elitetours  zwei Mal im Jahr bequeme Busreisen auf diese Trauminsel.

Wer Natur erleben will – das Balzen der Eidechsen, Aufwachsen und Schwimmenlernen der Möwen, die Fluglektionen der Pfauenkinder, das furchtlose Wild, Titos Gelbhaubenkakadu, der immer noch so lachen und husten kann wie sein Herrl, traumhafte Sonnenstimmungen und Uferszenerien – und keinen Touristenwirbel braucht, der wird sich in diesem Nationalpark wohlfühlen und richtig erholen können.

Hermann Bahr hat “lange Jahre ein Eiland gesucht”, aber immer nur “Inseln” gefunden – bis er nach Brioni kam…..

Brigitte Sokop

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