„Am Strand“ – Filmkritik

Langatmige Literaturverfilmung in Topbesetzung

In wenigen Tagen (22.06.) kommt mit „Am Strand“ nach längerer Zeit erneut eine Buchverfilmung des britischen Bestseller-Autors Ian McEwan in die österreichischen Kinos. In den Hauptrollen des phasenweise kammerspielartigen Films sind die Golden Globe Preisträgerin Saoirse Ronan und der Newcomer Billy Howle zu sehen. Sie glänzen in einem Film, der, trotz einer grundsätzlich interessanten Thematik, einige Längen aufweist.

England, 1962: Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) sind frisch verheiratet und wollen ihre Flitterwochen am Chesil Beach im englischen Dorset verbringen. Das im Grunde sehr unterschiedliche junge Paar – sie möchte eine erfolgreiche Violinistin mit ihrem Quartett werden, er ist an Geschichte und Rockmusik interessiert und strebt eine Karriere als Schriftsteller an – hat auch sehr auseinanderdriftende Erwartungen an ihre gemeinsame Hochzeitsnacht. Während sie Angst vor dem hat, was passieren wird, verspürt er eine nervöse Vorfreude. Im langweiligen und förmlichen Flitterwochen-Hotel wird die Situation immer angespannter und es kommt, am Strand, zu einem Streit der ihr gesamtes weiteres Leben verändern wird.

Zehn Jahre ist es nun her seit Saoirse Ronan in der wohl erfolgreichsten Verfilmung eines Romans von Ian McEwan zu sehen war. Als damals 13-Jährige spielte sie in „Abbitte“ unter der Regie von Joe Wright eine wichtige Nebenrolle und erhielt hierfür ihre erste Oscarnominierung. Es folgten weitere Nominierungen für „Brooklyn“ (2015) und „Lady Bird“ (2017). Für letzteren Film erhielt sie ebenfalls einen Golden Globe. Dementsprechend wenig überraschend erscheint die Entscheidung die nun erwachsene irische Schauspielerin wieder für eine Verfilmung, diesmal des 2007 erschienen Romans „Am Strand“, zu casten. An ihrer Seite ist mit Billy Howle ein englischer Newcomer zu sehen, der gerne als eine der bedeutsamsten Neuentdeckungen der letzten Jahre angepriesen wird. So übernahm er zuletzt Rollen u.a. in „Dunkirk“ (2017) und „Vom Ende einer Geschichte“ (2017) und wird dieses Jahr auch noch in „The Seagull“, in dem auch Ronan mitspielt, zu sehen sein.

Zusammen ergeben sie eine ähnlich gute Besetzung wie Keira Knightley und James McAvoy für „Abbitte“ vor zehn Jahren. Sie harmonieren perfekt vor der Kamera und glänzen in „Am Strand“ mit ihren schauspielerischen Leistungen. Dennoch können sie nicht verhindern, dass der Film schon nach vergleichsweise kurzer Zeit langatmig wird und bis zum Ende, das nach etwa zwei Stunden erreicht wird, einige Längen aufweist. So lockern zwar die eingeschobenen Szenen, die die Geschichte des Paares von seinem Kennenlernen bis zur Hochzeit schildern, die Handlung ein wenig auf, jedoch ist der Film insgesamt deutlich zu lang geraten. Dabei liegt ihm eine sehr interessante Thematik zugrunde: die Unmöglichkeit zu Beginn der 1960er Jahre, deutlich vor der 68er Bewegung, über Sexualität und damit verbundene Probleme und Erwartungen zu sprechen. Diese führt auch zum alles entscheidenden Streit am Strand von Chesil Beach, der das frisch verheiratete Paar auf eine harte Probe stellt, an der dieses entweder zerbrechen oder wachsen kann.

Insgesamt ist „Am Strand“ eine über manche Strecken langatmige Literaturverfilmung, die die Geschichte der Liebe zweier jungen Menschen erzählt, die an der Unmöglichkeit über Sexualität (in der Ehe) zu sprechen zu zerbrechen droht. Der Film wird vor allem von Saoirse Ronan und Billy Howle, die in den Hauptrollen als Florence und Edward zu sehen sind, getragen. Trotz einiger Längen, bieten gerade ihre schauspielerischen Glanzleistungen einen guter Grund für einen Kinobesuch.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Thimfilm

 

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