„Allied- Vertraute Fremde“ – Filmkritik

Pitt, Cotillard und das Spionage-Problem

In Kürze kommt der Film „Allied – vertraute Fremde“ (22.12.) in die österreichischen Kinos. Mit großen Namen, viel Drama und ein wenig Kitsch versucht der Spionage-Thriller, welcher während des Zweiten Weltkrieges spielt, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Ein Vorhaben, das den Produzenten mit eindrucksvollen Kulissen und Special Effects durchaus gelingt. Mit Brad Pitt und Marion Cotillard wurden hierfür auch zwei wirksame Zugpferde gefunden.

Casablanca (Marokko), 1942: Der britische Spion Max Vatan (Brad Pitt) und die französische Spionin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) sollen, als Ehepaar getarnt, den deutschen Botschafter ermorden. Während ihres Einsatzes verlieben sie sich ineinander – Hochzeit und Kind folgen kurz darauf. Zwei Jahre später, 1944, kommen jedoch Zweifel an Mariannes Identität auf. Es wird vermutet, dass sie als Doppelagentin für die Nationalsozialisten arbeitet. Sollte sich die Anschuldigung erhärten, müsste Max Marianne eigenhändig eliminieren…

Max (Brad Pitt) und Marianne (Marion Cotillard) kommen sich in Casablanca näher.

Mit „Allied – vertraute Fremde“ hat Regisseur Robert Zemeckis scheinbar vor allem ein Ziel verfolgt: die Produktion eines großen Mainstream-Spionage-Weltkriegs-Epos. So erfindet er mit diesem zwar das Rad nicht neu, bietet jedoch rund zwei Stunden pure Kinounterhaltung, die Jung und Alt begeistern wird. Obwohl auch er der einen oder anderen Länge bzw. narrativen Stolperstein nicht entkommen kann, so verbindet er doch gekonnt Liebesgeschichte mit Agenten-Thriller und würzt das Ganze mit beeindruckenden Kulissen und Spezialeffekten. So spielt der Film u.a. in Marokko, England und Frankreich. Gelegentlich schlägt die epische Inszenierungsweise jedoch auch ins übertrieben Kitschige um. Wenn sich die beiden Hauptdarsteller inmitten eines Sandsturms im Auto lieben und das Kind der beiden nachts unter freiem Himmel inmitten eines Luftangriffes das Licht der Welt erblickt, wird die Grenze zum plakativen Kitsch deutlich überschritten.

Zwei Jahre später wird Max (Brad Pitt, li.) darüber informiert, dass seine Frau Marianne eine Doppelagentin sein könnte.

Hingegen wurden die Hauptrollen des Films geradezu perfekt besetzt, denn mit Brad Pitt und Marion Cotillard wurden zwei Schauspieler der Gegenwart gefunden, die sich in den Kulissen des Zweiten Weltkrieges scheinbar wohl fühlen. Zwar fehlt ihnen an manchen Stellen der letzte Funke an Leidenschaft für einander – auch wenn ihnen anderes nachgesagt wurde -, jedoch machen sie dies mit ihrem schauspielerischen Können anderenorts wieder wett. Neben Brad Pitt, der in der Rolle des Geheimdienstoffiziers Max Vatan zu sehen ist und Marion Cotillard, die als französische Résistance-Kämpferin und betörende Femme Fatale brilliert, können andere Darsteller im Film kaum auftrumpfen. Dies liegt möglicherweise auch daran, dass ihnen kaum Filmzeit eingeräumt wird.

Max (Brad Pitt, li.) versucht bei ehemaligen Bekannten von Marianne die Wahrheit heraus zu finden.

Insgesamt ist „Allied – Vertraute Fremde“ ein imposantes Spionage- bzw. Weltkriegsepos, welches – abgesehen expliziter Sex- und Gewaltdarstellungen – thematisch und optisch stark an diverse Filmproduktionen aus den 1940er Jahren erinnert – Femme Fatale inklusive. Der auf Mainstream ausgelegte Film dürfte alle Altersschichten gleichermaßen begeistern und wandelt damit, wohl auch gewollt, auf altbekannten Wegen. Einen Kinobesuch ist er somit allemal wert.

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Paramount Pictures Germany GmbH

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