„Robin Hood“ – Filmkritik

Neuinterpretation mit Schwächen

In wenigen Tagen (11.01.) kommt mit „Robin Hood“ eine weitere visuelle Umsetzung der Geschichte rund um Robin Hood in die österreichischen Kinos. Der Versuch, die Handlung und die Figuren an das gegenwärtige junge Kinopublikum anzupassen und entsprechend hipper und ansprechender zu gestalten, ist jedoch über weite Strecken nicht gelungen. Neben diverser unterhaltsamer Nebencharaktere, wirkt die Hauptfigur selbst, Robin Hood, vollkommen blass und unscheinbar. Auch die Actionszenen selbst können aufgrund einer sehr wackeligen Kameraführung und schnellen Schnitten ihre Wirkung nicht entfalten.

Als der junge Adelige Robin von Locksley (Taron Egerton) von den Kreuzzügen zurückkehrt, traut er seinen Augen nicht. Das Land wurde durch Korruption herabgewirtschaftet, sein Anwesen teilweise zerstört, die Gesellschaft ist gespalten und seine Freundin Marian (Eve Hewson) ist mit einem neuen Mann, Will Scarlet (Jamie Dornan), zusammen, da man ihn für tot hielt. Zusammen mit dem arabischen Kämpfer (Little) John (Jamie Foxx) beschließt er den Kampf gegen die tyrannische Oberschicht und die vorherrschenden Ungerechtigkeiten aufzunehmen. Aus dem Schatten heraus operiert er als Gesetzloser, dem bald der Spitzname „The Hood“ verliehen wird.

Zunächst kämpft Robin von Locksley (Taron Egerton) in den Kreuzzügen im Nahen Osten.

Der Stoff rund um Robin Hood wurde in den letzten hundert Jahren oftmals, mehr oder weniger gelungen, verfilmt. Die Bandbreite reicht dabei vom Zeichentrickklassiker aus dem Hause Disney („Robin Hood“ (1973)), über Mel Brooks komödiantische Umsetzung in „Robin Hood: Men in Tights“ (1993) bis hin zum Abenteuerfilm „Robin Hood: Prince of Thieves“ (1991), der heute vor allem für seinen Titelsong von Bryan Adams bekannt ist. Die letzte (erwähnenswerte) Neuinterpretation der Geschichte nahm 2010 der bekannte Regisseur Ridley Scott in Angriff, für welche er gemischte Kritiken bekam. Die aktuelle Neuumsetzung des Stoffes erhält, trotz eines interessanten Ansatzpunktes, jedoch kaum wohlwollende Rückmeldungen. Die Liste an Gründen ist lang und die meisten Punkte sind allgemein nachvollziehbar.

Dort lernt er auch (Little) John (Jamie Foxx) kennen, der ihn später unterrichtet.

So wurde zunächst einer der aktuell gefragtesten Jungschauspieler, Taron Egerton, in der Hauptrolle gecastet. Der 29-jährige Brite war in den letzten Jahren u.a. in den erfolgreichen Produktionen „Kingsman: The Secret Service“ (2014), dessen Fortsetzung „Kingsman: The Golden Circle“ (2017) und „Eddie the Eagle“ (2016) im Kino zu sehen. Im Sommer 2019 erscheint „Rocketman“, in welchem er Elton John höchstpersönlich verkörpern wird. Dementsprechend unerwartet ist die nicht unbedingt schlechte, aber uninspirierte schauspielerische Leistung von Egerton in „Robin Hood“. So erscheint er, im Vergleich zu den „Nebenfiguren“ Little John und Will Scarlet (dargestellt von Jamie Foxx und Jamie Dornan), blass und unscheinbar. Auch die vermeintlich hippe Hochstilisierung seines Charakters zu „The Hood“ und das Fehlen jeglicher Hintergrundinfos zu seiner Figur erschweren die Identifikation mit dieser.

In den Kämpfen dabei ist auch Will Scarlet (Jamie Dornan).

Suboptimal fiel auch die allgemeine visuelle Ausgestaltung des Stoffes in „Robin Hood“ (2019) aus. So kann sich die Geschichte kaum auf einen historischen Zeitraum beschränken. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart sind im Film aus fast jeder Epoche Elemente zu finden. So wird zwar mit Pfeil und Bogen gekämpft, jedoch erinnern die Kampfsequenzen im Nahen Osten stark an diverse Szenen aus aktuellen Kriegsdramen, wie z.B. „The Hurt Locker“ (2008). Die meisten Actionszenen haben gemein, dass sie unter der wackeligen Kameraführung und zahlreichen schnellen Schnitten leiden. Dementsprechend ist es für das Publikum oftmals schwer nicht nur den Überblick zu behalten, sondern diese auch „zu genießen“. So wird der erwartete unterhaltende Actionfilm für das Auge schnell anstrengend. Auch diverse innovative Kameraeinstellungen können daran nichts ändern.

Kommt es zu einem Happy End mit Marian?

Insgesamt bleibt „Robin Hood“ hinter den Erwartungen weit zurück. Nicht nur enttäuscht Taron Egerton (Robin Hood), der bereits wesentlich bessere schauspielerische Leistungen erbracht hat, sondern auch die viel zu hektisch geschnittenen und wackelig gefilmten Actionszenen, die geradezu anstrengend sind. Damit dürfte es wohl unwahrscheinlich werden, dass der Film „Robin Hood“, der den Beginn eines ganzen Sherwood-Forest-Filmuniversums bilden sollte, eine Fortsetzung bekommt. Einziger Lichtblick sind die deutlich stärkeren Nebencharaktere Little John (Jamie Foxx) und Will Scarlet (Jamie Dornan), die das Potenzial hätten eine solche zu tragen.

 

Text: Barbara Klaus

Bilder: © Studiocanal GmbH / Larry Horricks (Titelb., 1,2) bzw. Attila Szvacsek (3,4)

 

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