„5. Vienna Comic Con“ – Bericht

Der Krampf mit den ‚verschollenen‘ Ultra-Fans

Letztes Wochenende (23./24.11.) ging die bereits fünfte Ausgabe der Vienna Comic Con (VIECC) in Wien mit den bereits bekannten Elementen – professionelle Aussteller u. Verkäufer, Artist Alley, sowie Star-Gästen, die während Panels Fragen des Moderators und aus dem Publikum beantworteten, sowie für Autogramme und Fotos zur Verfügung standen – über die Bühne. Das bisherige, jedes Jahr stattfindende, große Highlight – der Cosplay-Wettbewerb – konnte diesmal jedoch nicht vollständig überzeugen. Schuld daran war u.a. die neu eingeführte, ständige Reservierung der ersten zwei Sitzreihen für sogenannte „Ultra-Fans“, die jedoch zu diesem und weiteren Programmpunkten nur in geringer Zahl erschienen.

Die Vienna Comic Con ist mittlerweile zu einem Fixtermin eines jedes Comicfans in Mittel- und Osteuropa geworden. So wird Englisch zur Verständigung zwischen Besuchern, Veranstaltern, Ausstellern und Stargästen immer wichtiger. Dementsprechend erstaunlich ist es, dass beispielswiese der Cosplay-Wettbewerb über weite Strecken in deutscher Sprache moderiert wurde. Die Diversität der Teilnehmer kann durchaus positiv aufgefasst werden, da von dieser nicht nur der Wientourismus profitiert, sondern auch die Stellung der Veranstaltung als internationales Event gefestigt wird. So kamen zahlreiche Aussteller im Bereich der Artist Alley, in welcher jungen Künstlern und Künstlerinnen eine Plattform geboten wird, auch aus osteuropäischen Staaten, wie z.B. Polen, Ungarn und Tschechien. Die dort verkauften, sehr speziellen und individuellen Stücke (z.B. handgefertigte Zeichnungen), bilden jedes Jahr ein Highlight der VIECC. Dementsprechend erfreulich ist es, dass der Bereich auch dieses Mal, im Vergleich zum Vorjahr, wieder ausgebaut wurde.

Sean Astin (r.) während seines Panels auf der Main Stage.

Für zahlreiche Fans ein Grund die alljährliche VIECC zu besuchen, sind natürlich auch die anwesenden Stars und Sternchen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Comic und Cosplay. Dieses Jahr konnten die Veranstalter u.a. Sean Astin („Herr der Ringe“, „Stranger Things“ und „The Goonies“), Alex Kingston („Emergency Room“, „Doctor Who“) und Chris Klein („American Pie“, „The Flash“) für einen Auftritt verpflichten. Wie im Jahr zuvor, musste leider Harry Melling, der als Dudley Dursley in der „Harry Potter“-Reihe Bekanntheit erlangte, erneut im Vorfeld absagen. Mit David Bradley, der ebenfalls in den „Harry Potter“-Verfilmungen (Argus Filch) und der bekannten Serie „Game of Thrones“ (Walder Frey) sehr markanten Charakteren Leben einhauchte, wurde jedoch ein guter ‚Ersatz‘ gefunden. Obwohl er sich für sein Panel aufgrund eines zu hohen Andrangs in der Autogramm- und Foto-Stunde verspätete, gebührte ihm die Ehre erstmals Standing Ovations am Ende eines Panels zu erhalten. Nach mehr als 50 Jahren im Film- und Fernsehbusiness hat er sich diese redlich verdient.

Einer der vielen Stände in der Artist Alley.

Über einen extrem hohen Andrang bei seiner Autogramm-Stunde durfte sich auch Thomas Brezina freuen. Selbst kurz vor Beginn des Cosplay-Wettbewerbs – der regelmäßig alle Hallen leerfegt – reichte die Schlange quer durch die Halle D. Der Cosplay-Contest selbst dürfte viele Fans kaum zufrieden gestellt haben. Die Anzahl der Kategorien, in denen Auszeichnungen vergeben werden, und jene der Teilnehmer wurde drastisch herunter gekürzt. So wurde beispielweise die Kategorie „Larger than Life“ komplett gestrichen. Hinzu kommt, dass während des Contests beständig drei bis fünf Personen – offizielle Fotografen, Kameramänner etc. der VIECC – direkt vor der Bühne standen, sodass jene Fans im ersten Block, die nicht auf die Leinwand angewiesen waren, nach kürzester Zeit aufgrund der verstellten Sicht genervt waren. Ärgerlich war beim Cosplay-Contest und allen weiteren Panels die erstmalige Reservierung der ersten beiden Sitzreihen für „Ultra-Fans“ (Höchste Preiskategorie für Tickets). Nachdem sie auch nicht aufgefüllt wurden, blieben sie in der Regel, bis auf fünf bis zehn Leute, komplett leer. Ein Umstand, der sowohl für das Publikum als auch die Künstler auf der Bühne kaum angenehm gewesen sein dürfte.

Die Nominierten in der Kategorie „Best in Show“ (Gewinnerin: Titelbild). 

Insgesamt ging die fünfte Auflage der Vienna Comic Con wohl für einige Fans – trotz eines tollen Programms – nicht vollständig zufriedenstellend zu Ende. So unterhielten die Panels blendend und boten auch die kleineren und größeren Aussteller sehr interessante Stücke zum Verkauf an, jedoch wäre es wünschenswert die eine oder andere Neuerung wieder rückgängig zu machen oder, anhand der diesjährigen Erfahrungswerte, entsprechende Änderungen vorzunehmen.

Text und Bilder: © Barbara Klaus

 

Weitere Eindrücke von der 5. VIECC:

      

     

     

 

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